Stellungnahme des Verschwörhaus e.V. zur Beschlussvorlage GD 311/22

Am 08.11.2022 haben wir dem Gemeinderat der Stadt Ulm eine Stellungnahme zu der am 10.11.2022 im Hauptausschuss zur Abstimmung vorgelegten Beschlussvorlage GD 311/22 gesendet. Um wieder zu transparenterer Kommunikation zurückzufinden, teilen wir hier die Stellungname als Volltext:

Am 10.11.2022 soll im Hauptausschuss über die Beschlussvorlage GD 311/22 abgestimmt werden. Der Antrag greift auch einen Antrag der CDU Fraktion vom 02.08.2022 über die Rückforderung und Streichung von Zuschüssen an den Verschwörhaus e.V. und einen Antrag der SPD Fraktion vom 20.06.2022 zur Befassung mit dem Verschwörhaus auf.

Wir erhielten die Beschlussvorlage am 28.10. Bislang wurde uns leider nicht angeboten in der Hauptausschusssitzung zu den Darstellungen der Verwaltung selbst Stellung zu beziehen oder auf Fragen zu antworten.

Wir möchten daher mit dieser Stellungnahme folgendes schriftlich vorab festhalten:

  • Die Darstellung der Verwaltung zu den Abläufen rund um die Verhandlungen mit uns ist unseren Erinnerungen und den uns vorliegenden Belegen nach in einem bedenklichen Maß einseitig und verzerrend unvollständig. Wesentliche Sachverhalte sind nicht mit unseren Aufzeichnungen in Einklang zu bringen.
  • Die Verwaltung scheint durch eine rückwirkende Umschreibung der Geschichte die Zustimmung des Gemeinderats erreichen zu wollen, und weiter den von uns erfundenen und geprägten Namen „Verschwörhaus“ streitig zu machen. Neben der von uns geprägten Identität und Marke, möchte sie die von uns registrierten, bezahlten und bespielten Domains, sowie Social-Media-Accounts und -Profile unter ihre Kontrolle bringen und diese Kanäle ohne uns Ehrenamtliche mit eigenen Inhalten befüllen.
  • Außerdem soll der in GD 056/21 bereits bis Ende 2023 bewilligte Zuschuss für das Jugend hackt Lab ab 01.01.2023 gestrichen werden – obgleich wir damit bis heute einen Anteil des öffentlichen Programms im Weinhof anbieten und an dieser Förderung ein Arbeitsvertrag hängt. Offenbar möchte die Verwaltung mit diesen Geldern u.A. Geräte neu beschaffen, derer Verfügbarkeit sie sich durch ihre Aufforderung zu unserem Auszug selbst entzogen hat.

Wir haben in einem kürzlichen Blogpost auf verschwoerhaus.de die Geschichte rund um den Namen und die Verhandlungen ausführlicher dargelegt. Die vollständige Lektüre des recht langen Artikels ist zwar nicht erforderlich, aber bietet unserer Ansicht nach wichtige Hintergrundinformationen zur Auseinandersetzung.

Zusammenfassend bitten wir die Gemeinderatsfraktionen:

  • Trennen Sie die Pläne der Verwaltung für die künftige Bespielung der Räume am Weinhof von unserem Namen „Verschwörhaus“. Niemand hat die Stadt gezwungen, den nachweislich von uns erstmals gebrauchten und von uns mit Inhalten befüllten Namen als Marke anzumelden. Über den laufenden Rechtsstreit möchte sich die Stadt unter anderem auch die von uns über Jahre etablierten Kommunikationskanäle (Websites/Domains, Social-Media-Profile etc.) aneignen. Der Ruf der Stadt hat in der Verwaltungsdigitalisierungsszene bereits unnötig erheblichen Schaden erlitten. Sie können weiteren Schaden von der Stadt abwenden, indem Sie die Stadtspitze auffordern, sich nicht weiter in einen Rechtsstreit zu verrennen, den die Stadt angesichts der bisher von ihr vorgebrachten Belege wohl nicht gewinnen kann. Das Kostenrisiko des Prozesses liegt im mittleren fünfstelligen Bereich, wodurch einerseits unser junger gemeinnütziger Verein massiv bedroht bzw. auf der anderen Seite Steuergelder verschwendet werden.
  • Erhalten Sie die bis Ende 2023 bewilligte Förderung für das Jugend hackt Lab! Ulm ist eine der Vorreiterstädte für das laufende Jugendmedienbildungsprogramm unter dem Label „Jugend hackt“. Wir führen das Programm bis heute weiter fort. Auch nachdem die Verwaltung unseren Auszug aus den Räumen am Weinhof durchgesetzt hat, tragen wir nach wie vor am Weinhof mit diesem Angebot zu den Terminen für die Öffentlichkeit bei. Wir möchten das Jugend hackt Lab auch 2023 weiterführen und als außerschulisches Bildungsprogramm den Ulmer Jugendlichen anbieten.

Stellungnahme zum Antrag der CDU Fraktion (140/22) und der Umwidmung/Streichung der zuvor beschlossenen Förderung für das Jugend hackt Lab Ulm

Jugend hackt ist ein Programm der Berliner Open Knowledge Foundation (OKF) und medialepfade.org – Verein für Medienbildung e.V. zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum, mit gesellschaftspolitischem Fokus.

Die Ehrenamtlichen brachten bereits 2015 das Format Jugend hackt in Form von jährlich stattfindenden Hackathons nach Ulm. Circa 40-50 Jugendliche entwickeln dabei eigene Projekte, begleitet von ehrenamtlichen Mentor*innen. Das Programm wurde u.A. dafür 2018 mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet, und der Preis wurde auch von Angehörigen des Ulmer Jugend hackt-Teams entgegengenommen.

Eine Befragung von Jugendlichen bei diesen Hackathons im Januar 2018 ergab, dass es der Wunsch vieler Jugendlicher ist, ein regelmäßiges Angebot vor Ort mit strukturiertem Programm sowie offenen Treffen zu haben. Ermöglicht durch eine Anschubfinanzierung der SKala-Initiative und der Deutsche Bahn Stiftung wurde das Jugend hackt Lab-Programm ins Leben gerufen. Von der Open Knowledge Foundation (OKF) zur Bewerbung ausgeschrieben, wurden der Verstehbahnhof in Fürstenberg und das Verschwörhaus in Ulm die deutschlandweit ersten Jugend hackt Lab-Standorte. Von Mai 2019 bis März 2021 wurden diese mit jeweils einer Teilzeitstelle gefördert. Angeschlossen daran wurde das Ulmer Lab von eingeworbenen Drittmitteln des Kindermedienzentrums idee-bw in 2021 gefördert. Zugleich konnte mit BS Software Development ein regionaler Sponsor gewonnen werden. Einen Großteil des Bestehens des Labs deckten somit selbst eingeworbene Drittmittel ab. Ab Ende 2021 ermöglichte die Stadt Ulm per Gemeinderatsbeschluss GD 056/21 die weitere Verstetigung des Jugend hackt Labs bis Ende 2023, welche durch weitere Drittmittel ergänzt wurde. Hierzu sollte seitens der Stadt Ulm die Stelle der Projektleitung ausdrücklich beim Verschwörhaus e.V. angesiedelt werden, da es innerhalb ehrenamtlicher Strukturen einfacher ist, Fördermittel einzuwerben.

Auch nachdem der Verschwörhaus e.V. aus den Räumen des Weinhof 9 ausziehen musste, wurde das Jugend hackt Lab im Weinhof 9 weiter fortgesetzt und Programm angeboten, wie es auch auf der städtischen Homepage beworben wird. Von einer Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Stadt Ulm seitens des Verschwörhaus e.V., wie die Ulmer CDU-UfA-Fraktion unterstellt, kann daher keineswegs die Rede sein. Dies kommuniziert die Stadt Ulm auch öffentlich, wie beispielsweise die Südwest-Presse am 19. Oktober 2022 berichtet. Wörtlich heißt es hier: “Tatsächlich finden in dem Gebäude am Weinhof, das die Stadt weiterhin als Verschwörhaus betreibt, Veranstaltungen statt, etwa das Jugend hackt Lab oder Tanzkurse.” (Hervorhebung Verschwörhaus e.V.) Ebenso sei erwähnt, dass sich innerhalb des Projekts jeweils pro Termin zwei bis vier ehrenamtliche Mentor*innen aus den Reihen der Community rund um den Verschwörhaus e.V. engagieren und hierzu in die Räumlichkeiten des Stadtlabors kommen, um das Jugend hackt Lab zu begleiten.

Der Verschwörhaus e.V. ist immer gesprächsbereit, bisher sowie weiterhin. Das Fortbestehen des seit 2019 vorhandenen Angebots der Jugendbildung soll wegen einer etwaigen Raumänderung nicht gefährdet werden, denn im Zentrum steht für den Verschwörhaus e.V., dass Jugendliche sich auch im Jahre 2023 durch Teilnahme am Jugend hackt Lab fortbilden können.

Aus Sicht des Verschwörhaus e.V. stellt die Förderung nach GD 056/21 zweckgebundene Mittel für Jugendnachwuchsbildung in den Jahren 2021-2023, die ausschließlich dazu dienen, eine Personalstelle, Arbeitsmittel und Reisekosten, Lohnbürokosten und die Veranstaltungskosten abzudecken. Dies wurde und wird erfüllt. Alle Aufgaben, die zur Organisation der Personalstelle anfallen, werden ehrenamtlich erbracht. Eine etwaige Veränderung des räumlichen Veranstaltungsortes rechtfertigt eine Einstellung der Förderung nicht. Da die Stadt Ulm die Mittel von 33.500€ laut GD 311/22 für anderweitige Zwecke umwidmen will, ist eine Einstellung der Förderung auch nicht durch ein etwaiges Haushaltsdefizit 2023 begründbar. Es fehlt somit an einer hinreichend fundierten Begründung für die Einstellung dieser Förderung.

Zu guter Letzt bitten wir den Gemeinderat, die Abstimmung für die Streichung der Förderung auch vor dem Hintergrund zu überdenken, dass an diesen Geldern direkt ein Arbeitsvertrag hängt. Für unseren Arbeitnehmer steht diese kurzfristig drohende Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses der angenommenen Planungssicherheit einer bewilligten Förderung entgegen; unserem Verein als Arbeitgeber bliebe mit weniger als 2 Monaten Vorlauf zum Ende des Jahres hin keine ausreichende Zeit mehr, den Arbeitsvertrag rechtzeitig zu beenden. Der Verein bliebe auf den Lohnkosten eines durch die bewilligte Förderung nach Treu und Glauben geschlossenen Arbeitsvertrages sitzen. Gemäß der hier gebotenen Sorgfaltspflicht weisen wir auch darauf hin, dass wir uns rechtliche Schritte bei diesem Punkt vorbehalten müssen.

Stellungnahme zum Antrag der SPD Fraktion (121/22)

Der Antrag der SPD Fraktion wird in Abschnitt 3 der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung behandelt. In der Beschlussvorlage werden hierbei jedoch unserer Meinung nach einige Sachverhalte verfälscht und verkürzt dargestellt.

Zunächst möchten wir deutlich unterstreichen, dass wie in GD 311/22 beschrieben die Stadtverwaltung das Zustandekommen des Nutzungsvertrages an die Rücknahme des Widerspruchs des Vereins zur Markenanmeldung geknüpft hat. Eine Möglichkeit den Nutzungsvertrag zu unterzeichnen ohne das uns zustehende Widerspruchsrecht aufzugeben, wurde uns nicht eingeräumt. Die Stadt wollte also offensichtlich das bestehende Machtgefälle ausnutzen und uns auf diesem Weg dazu bringen, nach monatelangen Verhandlungen letztendlich ihre Standpunkte ohne Hinterfragen zu akzeptieren.

Am 13.06.2022 wurden wir belegbar, entgegen der Aussage in GD 311/22, erst nach Tausch der Schlösser per E-Mail informiert. Wie dieser Tausch zu einem „ordentlichen Prozess“ beigetragen haben soll ist uns bis heute unklar. Wir konnten uns jedoch mit dem neuen Projektleiter Stadtlabor schnell auf eine Lösung für diesen Prozess einigen. Diese beinhaltete zum einen, dass wir wieder selbstständig Zugang mit neuen Schlüsseln bekamen, und zum anderen wie beschrieben die Separierung des städtischen Inventars von dem des Vereins vorgesehen wurde. Hier möchten wir der Darstellung der Stadt hinzufügen, dass die Separierung nahezu vollständig von uns Ehrenamtlichen durchgeführt werden musste und eine Vielzahl unentgeltlicher Arbeitsstunden gekostet hat.

Abschließen möchten wir, indem wir die bisher letzte und stärkste Eskalation der Stadtverwaltung nochmal etwas beleuchten. Seit Antragstellung durch die SPD Fraktion haben wir eine Unterlassungsklage der Stadt Ulm erhalten, mit einem von ihr festgelegten Streitwert im sechsstelligen Bereich; damit verbunden ist folglich ein Prozesskostenrisiko im mittleren fünfstelligen Bereich. Neben dem unnötigen Kostenrisiko, welches gegebenenfalls die Stadtkasse zu tragen hat (und anderenfalls unseren gemeinnützigen Verein bedroht), wurde dieser weitere Schritt von Herrn OB Czisch der Presse gegenüber als notwendig beschrieben. Die Stadt sei dazu “gezwungen” diesen Schritt zu gehen. Wir Ehrenamtlichen haben die Stadtverwaltung weder zu einer Anmeldung der Wort- und Bildmarke Verschwörhaus, noch zur Abmahnung oder der dann folgenden Klage gegen uns “provoziert” (Wortwahl von OB Cisch in SWP+ am 19.10.2022). Keiner dieser Schritte war notwendige Konsequenz, sondern jeweils bewusste Entscheidungen der Stadtspitze. Auch wenn der Sachverhalt nun in den nächsten Monaten gerichtlich geklärt werden muss, würden wir es sehr begrüßen wenn der Beschluss – wie im Antrag der SPD Fraktion angeregt – auch um eine “zeitnahe, detaillierte öffentliche Aufarbeitung” ergänzt wird, die den Tatsachen des Konflikts und seines Zustandekommens entspricht und beide Seiten der Auseinandersetzung berücksichtigt.

Erzähl- und Frageabend am 09.11.

In der Ulmer Digitalisierungsszene hat es vor einigen Wochen (mittlerweile Monaten) ganz schön gerumpelt - und das tut es auch weiterhin.

Doch was ist da eigentlich passiert, im Verschwörhaus? Nach dem Auszug der Ehrenamtlichen aus dem Weinhof 9 gingen noch einige Eklats durch die Presse; Markenrechtsstreit, Kulturnacht, Klage gegen den Verein… Obwohl die Stadt seither öffentlich eine recht eindeutige Meinung vertritt, hat sich die Verschwörhaus-Community kaum zu Wort gemeldet - aber sicher ist, dass die Ereignisse auch an den Ehrenamtlichen nicht unberührt vorüber gegangen sind.

Daher ist es nun höchste Eisenbahn für eine Erzähl- und Fragestunde mit den Aktiven. Verschwörhaus, WTF happened?!

Am Mittwoch, den 09.11.22 um 19:00 Uhr im Multimediaraum von N27 an der Uni Ulm.

Vielen Dank an alle, die vor Ort und online mit dabei waren! <3

Keine Zeit gehabt? Viele der Geschehnisse haben wir hier auch als Langtext “zusammengefasst”. 😊

Verschwörhaus 2022 - Das Update

Wer in den letzten 12 Monaten unsere öffentlichen Posts und Tweets verfolgt hat, weiß, dass das Verschwörhaus aktuell den größten Umbruch seiner Geschichte durchlebt. Seit nun gut einem Jahr befinden wir uns in einem sich stetig zuspitzenden Konflikt mit der Ulmer Stadtverwaltung. Wir haben deshalb im Sommer die geliebten und von uns im Lauf der Jahre gestalteten, ursprünglichen Räumlichkeiten am Weinhof 9 verlassen müssen. Auch danach entwickelte sich der Konflikt weiter und gipfelte unlängst in einer Klage der Stadt gegen uns. Diese will erreichen, dass wir den Namen „Verschwörhaus“ und unser Logo nicht mehr benutzen dürfen. Damit verbunden müssten wir sämtliche von uns eingerichteten und betriebenen Domains inklusive Website und E-Mails, Social-Media Kanäle unter unserem Namen etc. einstellen beziehungsweise an die Stadt abgeben.

Viele wichtige Hintergrundinformationen hierzu haben wir bis heute nicht veröffentlicht. Bis zum Sommer 2022 wollten wir der Stadtspitze die Chance geben, ihr Gesicht zu wahren und versuchten, wieder zueinander zu finden. Um die Verhandlungen zu Nutzungskonzepten und -verträgen nicht zu gefährden, schränkten wir unsere Präsenz nach außen hin stark ein und gingen in eine Phase diplomatischer Ruhe über. Die Verwaltung hatte schließlich als Mieterin der Räume am Weinhof ein sehr wirkungsstarkes Machtinstrument gegen uns in der Hand. Später lag unsere Funkstille schlicht auch daran, dass – im Gegensatz zu uns – „die Stadt Ulm hier die Möglichkeit hat, mit Juristen, mit Anmeldung der Marke, mit viel Geld aus dem Stadthaushalt“ zu versuchen, ihre Position durchzusetzen (Zitat Peter Oderschenka im eGovernment-Podcast 10/22). Wir als Ehrenamtliche mussten (und müssen) hingegen stets unsere Freizeit und die eigenen Mittel aufwenden, um auf die uns immer wieder in den Weg gelegten Hindernisse kurzfristig zu reagieren.

Wir möchten nun in diesem Post – nach 12 spannenden, lehrreichen und kräftezehrenden Monaten – die Veröffentlichung einiger Hintergrundinformationen nachholen, um euch einen Überblick über die Auseinandersetzung sowie einen Ausblick zu geben.

Zusammengefasst geht es um Folgendes:

  • Woher kamen die Menschen, die sich in Ulm bereits ab ca. 2010 mit Civic Tech beschäftigten? Was ist unsere Motivation, und warum entstand aus unserer Mitte heraus die Idee für einen Ehrenamtsspace in Ulm?
  • Wie arbeiteten wir die Idee eines solchen Ortes aus, und wann wurde der Name „Verschwörhaus“ überhaupt erstmals öffentlich – noch bevor die Räume am Weinhof eröffnet waren – verwendet? Wie kamen wir zur Zusammenarbeit mit der Stadt als Fördergeberin?
  • Wie fand die Stadtverwaltung Geschmack an dem von uns geprägten Namen und unserer Arbeit – und warum kippte schließlich das Verhältnis, während die von uns eingerichteten Räume immer mehr als Fassade genutzt und unsere Arbeit als Dienstleister:innen in Anspruch genommen wurde? Welche Vorstellungen zum Betrieb eines Hack- und Makespaces hatte die Stadt in den entsprechenden Verhandlungen, und wieso unterschieden sich diese stets von unseren?

In “Akt zwei“ erzählen wir

  • von den arbeitsintensiven Verhandlungen ab Ende 2021, die unvorhergesehenen Aktionen wie Schlössertausch I und II, und nicht zuletzt die parallel zu den Verhandlungen durchgeführte heimliche Markenanmeldung der Stadt, sowie
  • davon, wie die Stadt danach unseren Verbleib in den Räumen an die Aufgabe unseres Namens knüpfte, über unseren unfreiwilligen Auszug, die Abmahnung und die Klage.

Es geht in diesem Post also um nicht weniger als unsere Zukunft, um die Frage nach der Wertschätzung von und den Umgang mit ehrenamtlicher Arbeit, die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland und wann Ehrenamt als nützlich erachtet wird – und wie viel Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit ihm dabei zugestanden wird.

Strap in, this is going to be a long one (finally!) ;)

Table of contents:

  1. Unsere Anfänge und Motivation
  2. Die Stadtverwaltung findet Geschmack an unseren Leistungen
  3. Die Gründung unseres gemeinnützigen Vereins
  4. Die Wertschätzung des Ehrenamtes
  5. Die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Ulms
  6. Die Markenanmeldung
  7. Die Umdeutung unseres Namens
  8. Der Rauswurf des Verschwörhauses aus den Räumen des Stadtlabors
  9. Abmahnung und Klage
  10. Ausblick und sonstige Bemerkungen

Unsere Anfänge und Motivation

Mit Stefan Kaufmanns Weggang vor fast genau einem Jahr, begann für uns eine damals noch nicht absehbare Kette an sich steigernden Eskalationen in Bezug auf den Umgang der Ulmer Stadtverwaltung mit uns. Bevor wir aber unsere Sicht auf den Konflikt schildern, wollen wir kurz die Zeit zurückdrehen: Wie haben wir ursprünglich angefangen, woher kommt unser Name „Verschwörhaus“ und was wollten wir damals (und auch heute noch) überhaupt erreichen?

Die Ursprünge des Verschwörhaus lassen sich bis ca. 2009–2011 zurückverfolgen, als sich an der Universität Ulm einige damalige Studierende für den Austausch rund um Open Data zur datalove-Gruppe zusammenschlossen und UlmAPI.de gründeten. 2014 wurde die Gruppe zu einem Gründungsmitglied des Code-for-Germany-Netzwerks, einem deutschlandweit aktiven Netzwerk von Ehrenamtlichen, das sich intensiv mit Open Data und Verwaltungsdigitalisierung beschäftigt. Eine digitalisierte Verwaltung wiederum sehen wir als grundlegenden Baustein für das zukünftige Zusammenleben in unserer Gesellschaft, da sie politische Teilhabe vereinfacht. Aus der Uni-Gruppe heraus entstand früh der Gedanke, die digitale Transformation nicht nur an der Universität, sondern auch in der Ulmer Stadtgesellschaft voranzutreiben. Die Gruppe betrieb beispielsweise ein erstes inoffizielles Datenportal, auf dem offene Daten der Stadt abrufbar waren. Außerdem setzte sich die Gruppe 2014 dafür ein, das Jugendbildungsformat „Jugend hackt“ nach Ulm zu bringen, um junge Menschen an die Prinzipien von Open Data und zivilgesellschaftlichen Engagements im Tech-Sektor heranzuführen. So wurde Ulm schon 2015 zu einer der ersten Jugend-hackt-Vorreiterstädte außerhalb Berlins – getrieben von einer starken, örtlichen Community, die schnell deutschlandweit wahrgenommen wurde.

Erstes Jugend hackt-Event in Ulm, 2015

Erstes Jugend hackt-Event in Ulm, 2015

Im Jahr 2015, bei der Abschlussveranstaltung des ersten Jugend hackt-Events in Ulm, konnte Stefan Kaufmann dem damaligen 1. Bürgermeister Gunter Czisch die Idee vorstellen, diesen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten langfristig in der Innenstadt einen Platz zu geben. Nach dem Vorbild der Hack- und Makespace-Bewegung sollte mit Hilfe städtischer Förderung ein Ort entstehen, an dem die digital engagierte Zivilgesellschaft ehrenamtliche Projekte öffentlichkeitswirksam durchführen und ihr Wissen unkompliziert an die Stadtgesellschaft weitergeben kann. Das Glück schien auf unserer Seite: Herr Czisch war schnell angetan von der Idee, so dass ein Konzept für die Zusammenarbeit entstand, welches unsererseits auf der Idee eines „Haus des Freien Wissens“ von Wikimedia Deutschland und einem gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation Deutschland entwickelten Vorschlag basierte. Der Name “Verschwörhaus” stammt aus dieser Konzeptionszeit ab 2015. Er wurde von uns Ehrenamtlichen erfunden, nachweislich zuerst öffentlich benutzt und stieß zunächst relativ lange Zeit auf Widerstand in der städtischen Verwaltung.

Auf Basis dieses Konzepts beschloss schließlich am 18.04.2016 der Hauptausschuss des Gemeinderats mit der Gemeinderatsdrucksache (GD) 198/16 die Einrichtung eines „Stadtlabor[s]“. Unter diesem Namen wurde das „Experimentierfeld für die Stadt von morgen“ von der Stadt Ulm in den uns inzwischen so gut bekannten Räumlichkeiten am Weinhof 9 gefördert. Diese ursprüngliche Beschlussvorlage erwähnte noch nicht den Namen „Verschwörhaus“, obwohl die Community den Begriff damals bereits verwendete und ihn dadurch langsam durchsetzte. Erst 2017 wurde der von uns gewählte und zwischenzeitlich intensiv verwendete Name „Verschwörhaus“ offiziell in der GD 125/17 das erste mal von städtischer Seite erwähnt. Die positive Medienberichterstattung aufgrund der Wirkung der ehrenamtlichen Arbeit der Verschwörhaus-Community hatte offenbar geholfen, den in der Verwaltung zunächst kritisch gesehenen Begriff für unsere Arbeit durchzusetzen und auch in eigenen Drucksachen der Verwaltung aufzugreifen.

So viel zur Entstehung unseres Namens. Aber was hat uns die letzten Jahre eigentlich durchgehend angetrieben?

Unsere zentrale Motivation seit unseren Anfängen war schon immer, die Digitalisierung in Deutschland, und insbesondere in der Stadt Ulm, „von unten“ voranzutreiben. Wir legen dabei bis heute großen Wert auf den dafür notwendigen Kompetenzaufbau in der Verwaltung, ohne den es unserer Erfahrung nach nicht geht. Basierend auf unserer Erfahrung wollten wir die Vorgehensweise und Entscheidungen bei IT-Projekten der öffentlichen Hand kritisch begleiten, sowie einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, sich auch selbst an neuen, „digitalen“ Dingen auszuprobieren – vor allem in den für uns zentralen Bereichen rund um öffentliche Daten, Nachhaltigkeit und Bildung.

Uns ging es nie um „Fassadendigitalisierung“ – also die Praxis, kurzfristige Projekte anzustoßen, die nach Außen den Eindruck von Modernität vermitteln, indem sie z.B. möglichst viele, gehypte Begriffe verwenden. Langfristig bringen diese Projekte oft so gut wie keinen nachhaltigen Nutzen. Ein Beispiel wäre der so beliebte Aufbau einzelner Leuchtturmprojekte, die sich auf Förderanträgen gut machen und am Ende in aller Regel nur den Geförderten für kurze Zeit finanzieren. Uns geht es vielmehr um nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft hin zu mehr digitaler Mündigkeit, sowie den Aufbau langfristig funktionierender Infrastrukturen. Im ehrenamtlichen Netzwerk „Code for Germany“, in dem unsere Ursprungsgruppe bis heute aktiv ist, konnten wir über Jahre hinweg immer wieder erleben, dass stets aufs Neue irgendwelche Dashboards und Portale „erfunden“ werden – und letztlich immer an denselben, viel tiefer liegenden infrastrukturellen Problemen scheitern, um die sich in den Förderprojekten nie jemand kümmert. Wir haben praktische Erfahrung im Umgang mit Daten. Wir wissen, welcher unspektakulär klingende und oft vernachlässigte Unterbau für nachhaltige, digitale Lösungen wirklich nötig ist. Mit anderen Worten, wir stellen uns weniger Fassaden vor, sondern mehr die Strom- und Wasserversorgung, auf die langfristig Wohnhäuser und unseretwegen danach auch Leuchttürme aufbauen können.

WikiData Workshop im Innenhof am Weinhof

WikiData Workshop im Innenhof am Weinhof

Geprägt von dieser Motivation haben wir jahrelang genau diese Ziele verfolgt. Wir schufen dabei zahlreiche Bildungsangebote, veranstalteten Workshops, luden Gäste, bespielten Kongresse, Camps und Kulturnächte, richteten Werkstätten im Haus ein, kreierten nachhaltige Projekte, warben umfangreiche Fördermittel und Einrichtung für die Räumlichkeiten ein, und halfen – so zumindest unsere Hoffnung – sowohl der Bürgerschaft in unserer Stadt Ulm als auch immer wieder auf überregionaler Ebene den Weg zur Gesellschaft der Zukunft mitzugestalten.

Wir taten dies immer in dem Glauben, dass wir von der Stadt eine Art „Hülle“ gestellt bekommen, die wir selbst nach unseren Werten gestalten, einrichten, prägen und entwickeln können. So ist in der grundlegenden GD 198/16 von einer „Anschubfinanzierung“ durch die Stadt die Rede, damit „bis zur endgültigen Festlegung einer Kooperations- und Rechtsform“ die Sicherung der Räume ermöglicht werden soll. Auch 4 Jahre später noch, in GD 234/20 wird hervorgehoben, dass wir „das Haus als etwas von [uns] selbst Gestaltbares wahrnehmen“ sollen, „auf das wir aktiv Einfluss nehmen können“ sollen. Hierzu später mehr.

Wir handelten also stets, um dem von uns so wahrgenommenen Auftrag nachzukommen, die Hülle des städtischen Förderprojekts „Stadtlabor“ selbstbestimmt und selbstverwaltet mit unseren Inhalten zu füllen. Diesen Inhalten und unserer Community gaben wir den Namen „Verschwörhaus“.

Die Stadtverwaltung findet Geschmack an unseren Leistungen

Bis zum Jahr 2018 waren wir einfach nur eine Gruppe Ehrenamtlicher, vereint unter unserem Namen, die in von der Stadt geförderten Räumlichkeiten ihre ursprünglichen Ideen ganz im Sinne der ersten GDs verwirklichen konnte. Dann kam – für uns unvorhergesehen und ohne, dass wir in die Pläne und Strategien mit einbezogen worden waren – die damals bei der Zentralstelle der Stadt neu gegründete Digitale Agenda (DA bzw. Z/DA) der Stadt Ulm ins Spiel. Als die DA Anfang 2018 in zusätzliche im Weinhof 7 angemietete Räume zog und als städtische Dépendance Verwaltungsangestellte in die Räumlichkeiten brachte, hatten wir die Hoffnung, dass unsere Mission des Kompetenzaufbaus in der Verwaltung hierdurch weiter Fahrt aufnimmt. So unterstützten Ehrenamtliche aus unseren Reihen beispielsweise immer wieder Veranstaltungen zur Zukunftsstadt umfangreich mit Veranstaltungstechnik – gratis, in unserer Freizeit, weil wir dachten, damit unsere Vision einer nachhaltigen und strategisch durchdachten Digitalisierung zu fördern.

Im Nachhinein betrachtet zeichnete sich jedoch schon bald ab, dass die Zusammenarbeit immer wieder hakte. Insbesondere bei unserer ehrenamtlichen Arbeit bemerkten wir immer häufiger eine Anspruchshaltung seitens der Verwaltung. Zunehmend nutzte die Stadtverwaltung die von uns gestalteten Räume als hip und modern wirkende Kulisse für eigene Veranstaltungen, ohne dass die Engagierten dabei selbst zu Wort kommen und ihre Sicht darstellen sollten. Die von uns beschaffte Technik und unser Know-How haben wir anfangs wiederholt gerne als Freundschaftsdienst und im Sinne einer Wissensweitergabe und Kompetenzsteigerung in der Verwaltung freiwillig zur Verfügung gestellt. Wie erwähnt konnten wir dadurch zum Gelingen von mehreren städtischen Veranstaltungen im Rahmen ihres Programms zur “Zukunftsstadt 2030” beitragen. Durch den für die Verwaltung oftmals beobachtbaren Mehrnutzen in Zusammenarbeit mit uns als “Verschwörhaus” entstand wohl eine Anspruchshaltung seitens der Stadtverwaltung, dass diese ehrenamtliche Beteiligung ab sofort wie selbstverständlich auf Abruf zur Verfügung zu stehen hätte. Die Stadt betrachtete unserer Wahrnehmung nach die von uns eingerichteten Räume, in denen wir häufige, regelmäßige Angebote für die Bürger:innenschaft bereitstellten, wie ein gemachtes Nest, um nach Belieben städtische Veranstaltungen abzuhalten (wofür wir dann bitte mit der von uns organisierten und für Bürger:innen gedachten Hardware Streams organisieren und unsere Zeit aufwenden sollten). Regelmäßig mussten wir Ehrenamtlichen auch erst die tagsüber von der Digitalen Agenda als Meetingräume genutzten Workshop- und Veranstaltungsräume aufräumen, um abends eigenes Programm durchführen zu können. Auch schmückte sich die Stadt nach außen hin gerne mit unseren ehrenamtlichen Projekten und behauptet ihren eigenen Angaben zufolge in der Klageschrift von 2022 (mehr dazu später), über die Jahre hinweg u.a. mit Hilfe unseres Namens Fördermittel in immenser Höhe eingeworben zu haben. Diesen Summen gegenübergestellt, war das Verschwörhaus jahrelang extrem „günstig“ für die Stadt; insbesondere, weil wir selbst Eigenleistungen und Equipment in hohem sechsstelligen Gegenwert in die Räume einbrachten und betrieben.

Die Stadt fand also langsam Gefallen an dem Namen und die initiale Ablehnung dieses komischen “Verschwörhaus” verwandelte sich in Wertschätzung – wenn auch subjektiv nicht unbedingt für unsere Arbeit an sich, so immerhin für unsere inzwischen überregionale Bekanntheit, von der die Stadtverwaltung regelmäßig profitierte.

Die Gründung unseres gemeinnützigen Vereins

Auf der anderen Seite unterlag die städtische „Stadtlabor“-Stelle für die Anschubfinanzierung den üblichen Auflagen, die eine Kommunalverwaltung mit sich bringt. Für eine Stadtkasse ist es beispielsweise sehr herausfordernd, spontan Dinge aus dem Ausland zu bestellen. Wenn die radforschung-Gruppe mit Funk-Fahrradschlössern experimentieren wollte – woraus wir der Stadt später eines von mehreren quasi schlüsselfertigen Förderprojekten anbieten konnten (siehe OpenBike), war das schwierig mit städtischen Mitteln umzusetzen. Auch wenn wir Platinen entwarfen, lag es an Stefan Kaufmann – laut seinem Arbeitsvertrag Leiter des Rahmen-Projekts „Stadtlabor“ – die Kluft zwischen digitalem Ehrenamt und Verwaltungsrecht zu überbrücken. Des Weiteren wurden anhaltend und bis zuletzt unsere Rufe nach mehr hauptamtlicher Unterstützung überhört. Dazu hätte zum Beispiel eine weitere Teilzeitstelle gehören können, die uns bei der stetigen Durchführung unserer Maker-Mondays helfen sollte. Unser Dank gilt an dieser Stelle der initiative.ulm.digital, durch deren Förderung wir ab 2017 – recht genau ein Jahr nach Eröffnung der Räume – bis Ende 2020 eine weitere hauptamtliche Teilzeitstelle bei der Open Knowledge Foundation finanzieren konnten. Die hunderten angebotenen, offenen Termine jedes Jahr müssen also stets vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass diese zum überwältigenden Teil von ehrenamtlich Engagierten in ihrer Freizeit umgesetzt wurden.

Nicht zuletzt um einfacher Material beschaffen zu können, weitere Mittel einzuwerben und auch selbst Personen beschäftigen zu können, gründeten wir schließlich mit etwas Verspätung Mitte 2019 – wie zwei Jahre zuvor in der GD 125/17 schon angestrebt – unseren gemeinnützigen Verein, den Verschwörhaus e.V. Es war übrigens nie nötig, in diesem Verein Mitglied zu werden, um sich im Verschwörhaus im Rahmen unserer Gemeinschaft betätigen zu können. Bis heute gibt es unglaublich aktive Menschen, die sich in unserer Community engagieren, ohne Vereinsmitglieder zu sein.

Zurück zu den Fördermitteln: Wir haben von Beginn an regelmäßig auch selbst finanzielle und materielle Förderungen eingeworben. Von der ersten Multimedia-Ausstattung durch Wikimedia Deutschland (WMDE) im Herbst 2016 über die Finanzierung diverser Workshops und Veranstaltungen mit der Open Knowledge Foundation (OKF) und WMDE, durch Support des Chaos Computer Clubs (CCC) bei unseren Bühnen auf Großveranstaltungen wie dem 36c3, mit einer von 2019 bis Herbst 2021 durchfinanzierten Teilzeitstelle für die Jugend hackt Labs bis hin zu einer sechsstelligen Förderung durch die Digitale Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE): Wir danken all unseren Förderern an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für die teils jahrelange Unterstützung unserer Arbeit. Mit dieser konnten wir für die Ulmer Stadtgesellschaft wertvolle Programme anbieten. Viele dieser Förderungen waren nur durch uns als Ehrenamtliche überhaupt realisierbar. Die Stadt hätte die meisten dieser Zuwendungen – die sie immer wieder gern in Anspruch nahm – als Kommune niemals erhalten können.

Leider schien die Stimmung in der Stadtverwaltung ungefähr zur Zeit unserer Vereinsgründung zu kippen. Wir hatten immer wieder den Eindruck, dass unsere Beiträge zwar von der Digitalen Agenda für die Selbstdarstellung der Stadt genutzt werden sollten, unsere konstruktiven Vorschläge für langfristig nachhaltige Lösungen jedoch häufig übergangen wurden. Während es eines unserer erklärten Ziele war, unsere Expertise und unser Wissen langfristig in die Verwaltung zu transferieren, fühlten wir uns so immer wieder nur als kostenlose Dienstleister:innen, die gerne in Anspruch genommen wurden, sobald es darum ging, kurzfristig IT-Probleme zu „lösen“.

Ende 2019 legte man uns dann einen ersten Nutzungsvertrag für die Räumlichkeiten am Weinhof 9 vor. Rückblickend betrachtet hätten wir diesen Vertrag wohl unterzeichnen sollen. Er spricht hinsichtlich des Namens und der Nutzung der Räume für und durch das Ehrenamt eine komplett andere Sprache als die Geschichte, die die Stadt im Rahmen ihrer aktuellen Strategie vorzugeben versucht. Wir wollten uns 2019 jedoch auf die Weiterentwicklung der in den Gemeinderatsbeschlüssen anvisierten Selbstverwaltungsstrukturen konzentrieren; dieser Nutzungsvertrag kam für uns überraschend und zur Unzeit und war bald erst einmal einvernehmlich vom Tisch.

Es war Dezember 2019, und niemand von uns konnte sich ausmalen, wie anders die Welt wenige Monate später aussehen würde. Noch viel weniger rechneten wir 2019 damit, wie sich beginnend im Sommer 2021 die Stadtverwaltung uns gegenüber verhalten würde.

Die Wertschätzung des Ehrenamtes

Münsterplatine, entwickelt durch das Ehrenamt

Durch Ehrenamt entwickelte Platine

Im Oktober 2021 beendete Stefan Kaufmann leider seine Tätigkeit als Leiter des Projektes Stadtlabor mit einem Aufhebungsvertrag. Stefan hatte bis dahin stets als Puffer zwischen Stadtverwaltung und Ehrenamt gewirkt. So bekamen wir zwar durchaus mit, dass ihn seine Doppelrolle als einerseits im digitalen Ehrenamt Engagierter und andererseits als Angestellter der Stadtverwaltung zunehmend zermürbte. Wie konkret mittlerweile jedoch die Pläne der Stadtverwaltung geworden waren, unsere ehrenamtlichen Aktivitäten verstärkt zu kontrollieren, hätten wir ihm aus Erzählungen nicht glauben können – diese Erfahrungen mussten wir in den Monaten nach seinem Weggang erst selbst machen.

Wenige Tage nach der Nachricht von Stefans Weggang nahm die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen 12 Monate mit einer fulminanten Eröffnung ihren Anfang. An einem Freitagabend im November war eine uns zuvor längerfristig angekündigte Aussprache mit Gunter Czisch, mittlerweile Oberbürgermeister, geplant. Am selben Vormittag führte die Leiterin der Digitalen Agenda eine nicht angekündigte, kurzfristige Sicherheitsbegehung im Weinhof 9 durch. Sie gab daraufhin an, in den Räumen seien so gravierende Sicherheitsmängel festgestellt worden, dass ein sofortiges Austauschen der Schlösser angebracht und notwendig sei. Wir waren perplex, mussten für das Wochenende geplante Workshops absagen, kamen nicht mehr an unser in den Räumen gelagertes Eigentum und wurden zunächst auch noch nicht einmal über die festgestellten, angeblich gravierenden Mängel aufgeklärt – für die wir implizit angeblich verantwortlich sein sollten. Uns ist bis heute nicht vollständig klar, warum diese Sicherheitsbegehung samt sofortigem Schlössertausch ausgerechnet wenige Stunden vor dem Gespräch mit dem Oberbürgermeister stattfinden musste. Ebenso verstehen wir bis heute nicht, warum bei der Begehung keine der seit vielen Jahren im Gebäude aktiven Ehrenamtlichen anwesend sein sollten. Wir trennten Begehung und Grundsatzdiskussion im Gespräch mit dem Oberbürgermeister am Abend thematisch strikt voneinander, und wünschten uns eine gemeinsame Begehung. Unsere Vermutung war, dass das bei den Aktiven versammelte, beträchtliche Wissen über die Räume und die Eigenheiten des Gebäudekomplexes hilfreich und sogar nötig für eine konstruktive gemeinsame Sicherheitsbegehung gewesen wäre.

Am darauf folgenden Montag fand eine erneute Begehung mit der Feuerwehr statt, bei der nun auch wir anwesend sein durften. Die Feuerwehr stellte deutlich klar, dass der Schlössertausch im Ernstfall dazu geführt hätte, dass die für die Feuerwehr hinterlegten Schlüssel nicht mehr gepasst hätten. Einer der erkannten Hauptmängel waren nicht geschlossene Brandschutzschotte zwischen den Stockwerken des Weinhof 7. Dies war eine Folge von elektrischen Arbeiten, die schon 2020 in offiziellem Auftrag durch eine Fachfirma durchgeführt worden waren. Stefan Kaufmann hatte diese offenen Brandschotte schon nachweislich bemängelt. Ergebnis der Begehung war schließlich, dass dieser Brandschutzmangel schnell durch passende Einsätze behoben werden könne. Bis zu unserem Auszug im Juli 2022 ist dies nicht geschehen. Der zweite relevante Mangel war ein nicht mehr den Vorschriften entsprechender zweiter Rettungsweg aus der Werkstatt im Untergeschoss. Auch hierfür ließ sich schnell eine Interimslösung finden. Die Schlösser wurden nach der zweiten Begehung zurückgetauscht.

Weiterhin bekamen wir in den Wochen danach mit, dass in der Stadtspitze offenbar der Eindruck herrschte, das Verschwörhaus sei „tot“ und es würde in den Räumlichkeiten ohnehin nichts mehr passieren. Das verwundert uns bis heute. Stefan Kaufmann hatte bis zum Auslaufen der Förderung durch die initiative.ulm.digital Ende 2020 jeden Monat einen Bericht über unsere Aktivitäten an die Initiative und auch den OB verfasst. Aus diesen geht sehr deutlich hervor, dass wir regelmäßig während der gesamten Pandemie Workshops auch online durchgeführt hatten. Zudem entstand auf Basis eines von uns während dieser Zeit aufwändig ehrenamtlich aufgetriebenen, gebauten und gepflegten, extrem leistungsfähigen Serverparks eine große BigBlueButton-Videokonferenz-Instanz, die ironischerweise auch Teile der Stadtverwaltung lange und intensiv nutzten, und die als Vorlage für den Rollout des städtischen Angebots für Schulen diente. Des Weiteren gelang es uns als Verein im Herbst 2021, eine signifikante, sechsstellige Fördersumme der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt einzuwerben, mit der wir qualitativ hochwertige Hardware einkaufen konnten, um sie der Bürger:innenschaft Ulms am Weinhof zum Experimentieren zur Verfügung zu stellen.

Noch während wir Ende 2021 mit der Abwicklung dieser Förderung beschäftigt waren, ließ uns die Stadt wissen, dass sie dringend einen Nutzungsvertrag mit uns aushandeln wolle. Die Nutzung der Räume müsse auf eine sichere Rechtsgrundlage gestellt werden, und wir bekamen einen ersten Vertragsentwurf zugesandt.

Dies startete eine lange und zähe Phase der Verhandlungen, über die wir so gut wie gar nicht in der Öffentlichkeit berichteten. Diese Berichterstattung wollen wir nun, im Rückblick, zumindest zusammenfassend nachholen.

Die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Ulms

Los ging es noch an dem Abend des 26.11.2021, an dem die Schlösser das erste Mal getauscht worden waren (s.o.). An diesem Abend hatten wir einen lange geplanten Termin mit der Verwaltungsspitze der Stadt und der Digitalen Agenda, um die Zukunft des Projektes nach dem Weggang Stefan Kaufmanns zu klären. Wir erfuhren kurz zuvor erst über die Presse von einer „Neuausrichtung“ unseres Verschwörhauses. Im Gespräch mit der Verwaltung wurden uns dann Folien gezeigt, auf denen die Digitale Agenda als Steuerungs- und Koordinierungsorgan des „Projekt[s] Verschwörhaus“ beschrieben wurde. Die „Leitung Stadtlabor“ wurde als städtische Stelle der DA dienstlich und fachlich unterstellt und sei für die „operative Umsetzung vor Ort“ verantwortlich. Auch wurde eine „alleinige Nutzung der Räume Weinhof 9“ durch unseren Verein ausgeschlossen. Zur Erinnerung: Der Verein wurde 2019 als ein Teilziel auf dem Weg zur Selbstverwaltung gegründet, um unkompliziert eigene Förderungen einwerben und Materialien bestellen zu können, sowie eine langfristig tragfähige Organisationsform zu bilden. Die Ehrenamtlichen waren schon lange zuvor und auch nach der Gründung des Vereins stets wie in einem klassischen Hack- und Makespace als ehrenamtliche Gruppe organisiert, und hatten auf der Basis gegenseitigen Vertrauens Zugang zu den Räumen. Wie die Stadt schließlich 2021 zu dem Schluss gekommen ist, dass dem Verein eine alleinige Nutzung verboten werden müsse, ist uns bis heute unklar. Dieser Schritt bricht unserer Ansicht nach auch radikal mit allen vorangegangenen Entwicklungsschritten hin zu Selbstorganisation und -verwaltung. Der Nutzungsvertragsentwurf von 2019 hatte noch deutlich andere Rahmenbedingungen vorgesehen.

Gleichzeitig sollte das Verschwörhaus aber freilich, so ein Zitat des OB aus diesem Gespräch „von Bürgern für Bürger sein“. Auch hier fragen wir uns, wieso dann die Digitale Agenda als städtische Abteilung die alleinige Entscheidungshoheit über de facto alle in den Räumlichkeiten stattfindenden Veranstaltungen besitzen sollte und was aus dem noch in der GD 234/20 angepriesenen Modell wurde, dem zufolge es das

„Kernelement der Einbindung der Ehrenamtlichen ist, dass sie das Haus als etwas von ihnen selbst Gestaltbares wahrnehmen, auf das sie aktiv Einfluss nehmen können“.

Wir haben das Haus immer in dem Glauben aufgebaut, dass wir dabei nicht eine städtische Abteilung werden sollen. So wird Oberbürgermeister Czisch in einem SWP-Presseartikel vom 11. Mai 2016 entsprechend zitiert: „Das wird keine städtische Veranstaltung. Wir stellen lediglich den Rahmen zur Verfügung.“ In der GD 234/20 wird dies 4 Jahre später weiter ausformuliert:

„Analog zum Stufenmodell der Beteiligung nach Arnstein sind eine reine Anhörung oder auch Einbeziehung der Wünsche und Bedürfnisse der Freiwilligen keine ausreichenden Partizipationsmodelle. Stattdessen ist es unumgänglich, Selbstverwaltungsstrukturen mit mindestens teilweiser Entscheidungskompetenz zu entwickeln. Hierfür wird im Rahmen der Begleitforschung zur Zukunftsstadt Phase III gemeinsam mit dem ZAWiW ein passendes Modell entwickelt, auch um Grenzen und Herausforderungen der Beteiligung im Verhältnis zur Stadt herauszuarbeiten. 2019 wurde außerdem als bereits seit längerem geplanter Meilenstein (vgl. GD 125/17) ein gemeinnütziger Verein gegründet, in dem sich die Ehrenamtlichen organisieren. Durch die so geschaffene Rechtspersönlichkeit konnten zusätzliche Versicherungen abgeschlossen werden, und es eröffnen sich weitere organisatorische Möglichkeiten, die im Rahmen der städtischen Vorgaben nicht so einfach möglich sind. Durch die Einnahmen des Vereins können zudem notwendige Wartungs- und Unterhaltsmaßnahmen an den technischen Geräten bestritten werden, die die städtischen Aufwendungen ergänzen.“ (Hervorhebungen durch uns)

Von diesen ganzen Vorstellungen war schon Ende 2021 in den Konzeptentwürfen der Stadt für einen Nutzungsvertrag der Räume nicht mehr viel zu sehen.

Hier begann nun die extrem kräftezehrende Verhandlungsphase, die bis ca. Mai 2022 anhielt: Die Stadt übersandte uns einen Vorschlag eines Nutzungsvertrages, und wir sollten diesen so bald wie möglich kommentiert zurücksenden – oftmals mit wenig Rücksicht auf das Zeitbudget ehrenamtlichen Engagements. Immer wieder näherten wir uns in dieser Phase den städtischen Vorstellungen einer gemeinsamen Nutzung der (bisher jahrelang schon ohne Vertrag friedlich genutzten) Räume an, um nur wenige Wochen später mit noch weiter auseinander klaffenden Vorstellungen konfrontiert zu werden. Immer wieder wurden von der Stadt Versprechungen gemacht und später völlig anders dargestellt. Eigene Konzepte, die wir zu den Räumen im Weinhof 9 und der Identität ihrer Nutzer:innen entwickelten, wurden ignoriert. Dabei waren unsere Vorschläge stets darauf ausgerichtet, einen möglichst einfachen Betrieb eines freien Hack- und Makespaces zu gewährleisten, der von und für Bürger:innen selbstverwaltet agieren kann. Orientierung gaben uns hierbei andere Spaces, die Hackerethik, die oben schon genannten GDs u. Ä., die sich aus jahrelanger Erfahrung und Best Practices anderer Gemeinschaften und Städte entwickelten. Unser Ziel war es, nachhaltige Strukturen und damit Nutzen für die Bürger:innen vor Ort zu schaffen. Dennoch bewegten wir uns immer wieder auf die Stadt zu und waren bereit, Kompromisse einzugehen – auch wenn sich dadurch unserer Meinung nach zuvor schon funktionierende Abläufe für alle Beteiligten, inklusive der Ulmer Bürgerschaft, verschlechtert hätten. Dass die Stadt in der öffentlichen Darstellung immer wieder das Gegenteil behauptet, befremdet uns vor diesem Hintergrund sehr. Bemerkenswert ist auch, dass die Stadt stets nur unseren Verein „Verschwörhaus e.V.“ als Vertragspartner ansprach; sie tat und tut sich offenbar durchgehend schwer, die ehrenamtliche Community außerhalb des formalen Konstrukts des Vereins anzuerkennen.

Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie viel ehrenamtliche Zeit, Kraft und Nerven es uns als Gruppe gekostet hat, diese mühseligen Verhandlungen über Monate hinweg zu führen. Einige von uns hatten neben ihren täglichen Vollzeitjobs immense Energie in die Verhandlungen gesteckt – immer in der Hoffnung, bald eine neue, aber sicherere Rechtsgrundlage für einen gemeinsamen und konstruktiven Betrieb der Räumlichkeiten zu finden. Ehrenamtliche Arbeit muss für uns sinnstiftend sein um zu erfüllen und zu freiwilliger Leistung anzuregen. Da jedoch in den Vorschlägen der Stadt ohne erkennbare Not zunehmend Verwaltungsarbeit und Einschränkungen auf uns Ehrenamtliche zukamen, brannten mehrere unserer Aktiven im Laufe des Prozesses immer weiter aus. Die Erwartungshaltung sowie der Umgang der Stadt mit der Community in dieser Zeit legen nahe, wie erschreckend wenig die Verwaltung die notwendigen Voraussetzungen für das kontinuierliche Engagement Ehrenamtlicher verstanden hatte – mit dem sie sich dennoch seit geraumer Zeit schmückte.

Die Markenanmeldung

Zu allem Überfluss mussten wir im Januar 2022 – also noch recht früh und parallel zu den laufenden Verhandlungen über einen Nutzungsvertrag – von Dritten erfahren, dass die Stadt im Dezember 2021 ohne Absprache mit uns oder dem Designer unseres Logos den Namen „Verschwörhaus“ sowie das Hausi-Logo beim EUIPO als europäische Wort- und Bildmarken zur Anmeldung eingereicht hatte. Weitere Details hierzu erfuhren wir über die Presse. Dies geschah wohlgemerkt zeitlich sehr nah zu unserem Gespräch mit dem OB, bei dem uns von der Stadtspitze noch „Transparenz“ und „gegenseitiger Respekt“ versprochen wurde.

Wir versuchten, die Markenanmeldung von Beginn an von den Verhandlungen über einen Nutzungsvertrag der Räume zu trennen. Mit der Zeit wurde aber klar, dass dies nicht möglich war – insbesondere da die Stadtverwaltung immer vehementer die Position vertrat, ihr Versuch, unseren Namen als Marke für sich anzumelden, sei korrekt und richtig gewesen.

Die Stadtverwaltung war es auch, die zunehmend darauf beharrte, die Markenanmeldung und die Erlaubnis, die Räume weiterhin als ehrenamtliche Community (bzw. als Verein) nutzen zu dürfen, untrennbar miteinander zu verknüpfen. Da wir den Namen erdacht und ihn über Jahre zu dem gemacht haben, was er heute ist, beschlossen wir nach zwei basisdemokratischen Versammlungen aller aktiven Ehrenamtlichen (egal ob Mitglied im Verein oder nicht) mit großer Mehrheit, dass wir nicht zusehen würden, wie sich die Stadt Ulm die alleinigen Markenrechte an unserem Namen europaweit sichert. Nachdem Gesprächsversuche mit der Verwaltung erfolglos waren, nahmen wir Kontakt zu einer Anwaltskanzlei auf. Wir erstellten eine ausführliche Sammlung von Belegen zur Entstehung und Nutzung des Begriffs und des Logos, um fristgerecht Widerspruch beim EUIPO einlegen zu können. Dieser dient zunächst dazu, den Eintragungsprozess in eine „Cooling-Off-Phase“ zu überführen, in der sich die beteiligten Parteien an einen Tisch setzen und eine außergerichtliche, gütliche Lösung zur Verwendung der Marke finden können. Diese „Cooling-Off-Phase“ kann relativ einfach auf bis zu 24 Monate erweitert werden, um genügend Zeit zu haben, die Streitfragen zu klären. Wir haben dies der Stadt ausdrücklich angeboten.

Die Stadtverwaltung reagierte auf unseren Widerspruch, indem sie ab diesem Zeitpunkt nur noch über Anwälte mit uns kommunizierte. Alle bisherigen Verhandlungen zur Raumnutzung seien hinfällig. Wir bekamen ein neues Ultimatum für die Unterzeichnung einer von der Stadt allein vorgegebenen Version des Nutzungsvertrags. Wir wurden ermahnt, den Widerspruch zur Markenanmeldug sofort zurückzuziehen und der Stadt die Rechte an der Marke zuzubilligen – sonst würden wir die Räumlichkeiten räumen müssen.

Die Stadt behauptete in ihrer öffentlichen Darstellung der letzten Monate immer wieder, dass sie uns ja einen Nutzungsvertrag und rechtliche Möglichkeiten, die Marke mit zu nutzen angeboten hätte. Wir seien außerdem diejenigen gewesen, die sich auf keine Einigung eingelassen hätten. Auch diese Behauptungen können wir guten Gewissens bestreiten. Wir fragen uns im Nachhinein, ob je zu einem Zeitpunkt der Verhandlungen genug Verständnis für unsere Positionen vorhanden war, um auf gemeinsamer Basis ein Vertragskonzept finalisieren zu können. Die Stadt verschweigt in ihren öffentlichen Darstellungen außerdem stets die Machtverhältnisse während der Verhandlungen. Niemand hat die Stadtspitze gezwungen, unseren Namen als Marke anzumelden. Niemand hat die Stadt gezwungen, die Weiternutzung der Räume an die Aufgabe der Rechte an unserem Namen und an unserem Logo zu binden. Mit der Androhung eines Rauswurfs stand ein effektives Druckmittel im Raum. Die Stadt Ulm prägte durch ihre hauptamtlichen Kräfte den öffentlichen Diskurs. Wir bekamen keine Gelegenheit, in den Gemeinderatssitzungen selbst Position zu den Darstellungen der Verwaltung zu beziehen. All das sollte wohl dazu dienen, die Marke zu einem weiteren Instrument städtischer Kontrolle zu machen, sodass unser Engagement in gewünschte Bahnen gelenkt und beeinflusst werden könnte. Wir stellen die Möglichkeit, unter diesen Bedingungen die Digitalisierung der Verwaltung kritisch begleiten zu können, ernsthaft in Frage.

Die Umdeutung unseres Namens

Ein weiteres Kernproblem war und ist der durchgängige, seit Ende 2021 beobachtbare Versuch der Stadt, die Geschichte um den Namen „Verschwörhaus“ nachträglich umzuschreiben. Angeblich sei der Name eine von der Stadt erfundene Bezeichnung für den gesamten Gebäudekomplex am Weinhof 9, inklusive der weiteren darin enthaltenen Akteur:innen. Es gab und gibt durchaus einen Namen für das 2016 gestartete Projekt der Stadt, der in zahlreichen Dokumenten (wie bspw. in den GD von 2016 und 2017 oder durchgehend auch im Arbeitsvertrag der städtischen Projektstelle bis Ende 2021) genannt wird: Er lautet „Stadtlabor“. Die Stadtspitze hatte sich allem Anschein nach jedoch intern darauf geeinigt, ab einem gewissen Zeitpunkt (wir schätzen ab spätestens Herbst 2021) zu versuchen, „Verschwörhaus“ nachträglich als angeblich von der Stadt erfundenen, für das Gesamtprojekt am Weinhof 9 genutzten Namen zu etablieren. Das belegen zahlreiche interne und inzwischen auch öffentliche Versionen von Beschlussvorlagen zu GDs, neben sonstigen Unterlagen (s. bspw. auch die weiter oben schon einmal erwähnten Folien bei unserem Gespräch mit dem OB im November 2021). Wer es nachlesen will: Die Formulierungen in den ursprünglichen GD von 2016 und 2017 beinhalten noch mehrfach den Begriff „Stadtlabor“ oder benennen wie beispielsweise die GD 234/20 das ehrenamtliche Engagement. Die GD 134/22 – zu welcher wir damals nur schriftlich gegenüber dem Gemeinderat Stellung beziehen und unsere deutlichen Bedenken äußern konnten –, sowie die in wenigen Tagen zur Diskussion stehende GD 311/22 lesen sich hingegen eindeutig anders. In letzterer wird nach unserem Auszug aus den Räumlichkeiten nicht einmal mehr ehrenamtliches Engagement als Grundpfeiler des Konzeptes genannt, und die rückwirkende Umdeutung des Namens als angeblich von der Stadt betriebene Institution ist durchgehend erkennbar.

Diese Vereinnahmung und Umdeutung mussten wir schon sehr früh während der Verhandlungen zu einem Nutzungsvertrag erkennen, und wir beanstandeten dies auch stets. Letztlich mussten wir auch hier erkennen, dass die Vorstellungen zur Nutzung unseres Namens „Verschwörhaus“ zu weit auseinander lagen, um zu einer Einigung kommen zu können.

Wir waren jedoch nicht bereit, dem Ultimatum der Stadt nachzukommen und für unsere weitere Nutzung der Räume am Weinhof (mit komplett anderen Nutzungsregelungen, als im vorherigen, jahrelang erfolgreichen Betrieb) auf unseren Namen zu verzichten.

Der Rauswurf des Verschwörhauses aus den Räumen des Stadtlabors

All diese Vorkommnisse waren Grund genug, um im Juli 2022 schweren Herzens nach dem Ultimatum und auf Aufforderung der Stadt die „Hülle“ des Stadtlabors, wie wir sie 2016 vorgefunden hatten, zu verlassen.

Dieser unfreiwillige Auszug kostete uns – wieder einmal – viele hundert Stunden Arbeit. Wir zahlen seitdem monatlich Lagermiete für unsere auf über 25 Europaletten verpackte Makespace-Hardware. Erschwert wurde uns der Auszug obendrein durch einen erneuten, unangekündigten Schlössertausch, dessen Sinn uns bis heute niemand erklären konnte. In der aktuellen Beschlussvorlage GD 311/22, die am 10.11.2022 im Hauptausschuss beschlossen werden soll, behauptet die Verwaltung, dass dieser Tausch „nach vorheriger Ankündigung“ erfolgt sei, um einen „ordentlichen Prozess zu gewährleisten“. Fakt ist, dass wir wieder erst nach dem neuerlichen Schlosstausch über diesen informiert wurden. Uns ist auch bis heute unklar, wie der Tausch einen „ordentlichen Prozess“ gewährleisten sollte. Die immerhin rasch gefundene Interimslösung (wir bekamen temporär Schlüssel) bedeutete de facto keinen Unterschied zu dem Modus, mit dem wir zuvor Zugang zu den Räumen hatten – er war nur aufwändiger, und die Organisationsarbeit bis dahin nahm wieder unsere Zeit in Anspruch. Zusätzlich teilte uns die Stadt mit, dass sie die Räumung unserer Einrichtung in der Hälfte der vorher zugebilligten Räumungsfrist erwarte. Im Nachhinein schreibt die Stadt nun in der oben schon genannten neuen GD: „Das Inventar der Stadt und des Vereins wurde voneinander separiert und in getrennten Räumen gelagert, damit ein geordneter Auszug des Vereins umgesetzt werden konnte“. Wir können nicht umhin, festzustellen, dass nahezu alle diese Arbeiten (wie immer) komplett von uns Ehrenamtlichen durchgeführt wurden. Wir erledigten dies – wie verlangt – in kürzerer Zeit als zuvor vereinbart, mit neuen Schlüsselregeln, an Wochenenden und Abenden in unserer Freizeit. Nun beobachten wir erneut mit Irritation, dass die Verwaltung selbst bei unserem Rauswurf unsere Arbeitsleistung in Anspruch nimmt, ohne diese auch nur im Entferntesten zu würdigen.

Dort, wo vor wenigen Monaten noch ein vom Ehrenamt gepflegter Space mit bundesweit bekanntem Namen existierte, sollen nun neu aufzubauende Workshops unter städtischer Kontrolle stattfinden. In den Räumen, in denen wir abertausende Stunden ehrenamtliche Arbeit “von Bürger:innen für Bürger:innen” geleistet haben, kann die Stadt nun ihre Vision des „Stadtlabors“ ausleben.

Bislang scheinen wir jedoch mit der Durchführung des Jugend hackt Labs immer noch einen wesentlichen Teil des Angebots im Weinhof zu prägen. Zu unserem großen Bedauern will die Verwaltung – entgegen mündlicher Versicherungen aus dem Sommer – einem Antrag der CDU-Fraktion in Teilen folgen, und am 10.11.2022 den Gemeinderat über die Streichung des uns für 2021–2023 zugesagten Zuschusses für das Jugend hackt Lab abstimmen lassen. Wir finanzieren mit diesem Zuschuss – ergänzt durch weitere eingeworbene Mittel – eine seit Anfang 2021 beim Verschwörhaus e.V. angesiedelte Teilzeitstelle. An diesen Geldern hängt also ein Arbeitsvertrag; sie sind Teil des monatlichen Einkommens einer motivierten Person aus unserer Community. Die CDU begründete ihren Antrag damit, dass wir aus den Räumen ausgezogen seien und damit die Zusammenarbeit aufgekündigt hätten. Wir möchten daran erinnern, dass wir unser gesamtes Programm gerne am Weinhof fortgesetzt hätten (und das Jugend hackt Lab bisher tatsächlich weiter im Weinhof stattfand), aber von der Stadt zum Auszug aufgefordert wurden. Das Jugend hackt Lab ist auch nicht an einen Ort gebunden – das haben wir in den Hochphasen der Pandemie mit Onlineformaten gezeigt – und der Zuschuss erging an den Verschwörhaus e.V., nicht an „den Verschwörhaus e.V. in den Räumen am Weinhof“. Die Verwaltung argumentiert, dass der Zuschuss in den Mitteln des Stadtlabors fehle. Die in der aktuellen Beschlussvorlage genannten, noch aufzubauenden (d.h. vermutlich aus städtischen Mitteln neu zu beschaffenden) Materialien für Video- und Audiostudio waren bis Juli 2022 umfassend und in hoher technischer Qualität in den Räumen vorhanden – von uns eingeworben, und wie viele andere technische Betriebsmittel im Hauskomplex von uns aufgebaut, gewartet und gepflegt. Interessant ist auch, dass die Verwaltung durch unsere Eigenleistungen von 2016 bis 2021 die im Haushaltstitel „Stadtlabor“ vorgesehenen Mittel jährlich nie auch nur ansatzweise voll ausschöpfen musste.

Die Formulierung für diese Beschlussvorlage bekamen wir erst vor wenigen Tagen, am 28.10.2022, erstmals zu Gesicht. Das Schema, dass wir kurzfristig mit uns betreffenden Plänen konfrontiert und zu einer Reaktion innerhalb kürzester Zeit aufgefordert werden, ist hier wie auch schon in den letzten 12 Monaten erneut erkennbar.

Abmahnung und Klage

Nicht nur sind wir mit der Suche nach neuen Räumlichkeiten beschäftigt, traten wie auch die letzten Jahre auf der Kulturnacht auf und versuchen unsere Gemeinschaft nach dem Verlust der alten Räume zusammenzuhalten – gleichzeitig haben wir auch noch das Problem, dass die Stadt nach unserem Rauswurf und dem damit verbundenen Verlust ihres primären Druckmittels nun juristisch gegen uns vorgeht, um uns zur Aufgabe unseres Namens zu zwingen.

Zunächst erreichte uns im August ein anwaltliches Schreiben, gefolgt von einer Abmahnung derselben Kanzlei, die auch für die Stadt die Markenanmeldung beim EUIPO übernommen hatte. Im anwaltlichen Schreiben wurden wir dazu aufgefordert, unsere Domains inkl. Website (von uns angemeldet, seit jeher von uns bezahlt und gepflegt), unsere Social-Media-Accounts (von uns Ehrenamtlichen eingerichtet und bespielt), und unser Google-Business-Profil (von uns erstellt und gepflegt) an die Stadt herauszugeben. In der darauffolgenden Abmahnung wurde uns außerdem vorgeworfen, wir würden unseren Namen zu Unrecht nutzen. Weiterhin sollten wir eine Unterlassungserklärung abgeben, die eine Verwendung unseres Namens „Verschwörhaus“ mit empfindlichen Geldstrafen sanktioniert. Wir würden damit unsere Domains und Website aufgeben, mitsamt aller dahinter steckenden E-Mail-Accounts und verknüpften Nutzerkonten. Unser Social-Media-Following, das wir durch unser Engagement aufgebaut haben, würde dann einem rein städtisch kontrollierten Projekt folgen. Wir wären nach vielen Jahren Arbeit wieder zurück auf Los. Dass dies nicht akzeptabel ist, hatten wir bereits in einer Vollversammlung demokratisch beschlossen. Zusätzlich wurde in der Abmahnung – so wie auch in der öffentlichen Kommunikation der Stadt Ulm zum Thema Verschwörhaus seit ungefähr Ende 2021 – eine Geschichte zu Namensfindung, Aufbau der Räume, und Verhältnis zur Stadtverwaltung erzählt, die nur schwer mit den von uns gemachten Erfahrungen und den uns vorliegenden Belegen seit 2010 vereinbar ist.

Ein Teil dieser Belege war aufgrund unserer Vorarbeit zum Widerspruch zur Markenanmeldung glücklicherweise bereits gut katalogisiert. Gemeinsam mit weiteren Belegen aus der ehrenamtlichen Konzeptionsphase konnte unsere Anwältin in unserer Erwiderung zur Abmahnung detailliert darlegen, warum die Behauptung der Stadtverwaltung, sie habe sich den Namen ausgedacht – vorsichtig ausgedrückt – höchst unplausibel erscheint. Wir hatten aufgrund der Darstellung der Stadt den Eindruck, dass es sich hier vor allem um einen verzeihbaren Fehler der Verwaltung handelte, die rückblickend ihre eigenen Erinnerungen durcheinander gebracht hatte. Wir dachten, wir könnten unmissverständlich klarstellen, dass eine 2018 in Betrieb gegangene städtische Digitale Agenda kaum 2016 durch den Beschluss der Einrichtung des „Projekt Stadtlabor“ einen Namen erfunden haben konnte, der nachweislich bereits vorher von uns benutzt und auch erstmals durch uns öffentlich verwendet wurde. Wir waren der Überzeugung, dass durch die Faktenlage sehr klar hervorgeht, dass wir eindeutig belegbar die älteren Rechte an unserem Namen haben – und dass es für die Stadt demnach keinen Sinn ergibt, die Situation juristisch weiter zu eskalieren.

Leider beschloss die Stadt im September 2022 trotz dieser, unserer Meinung nach sehr deutlichen und klar verständlichen Faktenlage, dennoch beim Landgericht Stuttgart Klage gegen uns einzureichen. Es geht hierbei um einen von der Stadt festgelegten sechsstelligen Streitwert, mit einem daraus resultierenden, signifikanten Prozesskostenrisiko im mittleren fünfstelligen Bereich für uns. Interessant ist, dass sich in der Klageschrift auch die Argumentation der Stadt geändert hat. Erneut wird zwar der Eindruck erweckt, dass der Name „Verschwörhaus“ von Anfang an durch die Stadt geplant gewesen sei. Nachdem wir jedoch herausgearbeitet hatten, dass der Name „Verschwörhaus“ belegbar zum ersten Mal in unserer Gruppe entstanden ist, bezieht sich die Stadt nun auf eine angebliche, viele Jahre zurückliegende Stadtmarketing-Kampagne, in der die „Verschwörtheit“ in der Stadt zum Ausdruck gebracht worden sei.

Besonders spannend ist aber, dass unser ehrenamtliches Engagement als selbstloser Einsatz dargestellt wird, mit dem wir gar keine Marke durch die Benutzung im geschäftlichen Verkehr aufbauen hätten können. Vielmehr habe die Stadt angeblich mit der Marke “Verschwörhaus” Fördermittel in immenser Höhe eingeworben – laut Stadt ein Beleg für ihren Markenanspruch. Die von der Stadt angeführten Belege hierfür zeigen unserer Ansicht nach keineswegs, dass diese Fördermittel für das oder gar unter Verwendung des Namens Verschwörhaus eingeworben wurden. Außerdem ist für uns nicht nachvollziehbar, wie ein vom Ehrenamt erfundener und mit bundesweit beachteten Inhalten gefüllter Name, der – zum Beispiel durch von uns verfasste Unterstützungsschreiben samt Unterschriftenlisten der Aktiven – die Verwaltung bei der Einwerbung von Smart-City-Fördergeldern unterstützt haben soll, ein Argument dafür sein soll, dass der Name der Stadt gehöre.

Nun sind wir kein großer Verein. Es sind nicht sehr viele Aktive, die das tägliche Geschehen (wie Öffentlichkeitsarbeit, Locationsuche, Klageerwiderung) zurzeit bewältigen. Wir waren jedoch seit 2015 (je nach Lesart sogar seit 2010) an der Entstehung unseres Verschwörhauses beteiligt. Wir können einen detaillierten Zeitstrahl der Entstehungsgeschichte inklusive vieler Belege vorweisen und glaubhaft darstellen, dass der Name unsere Schöpfung ist und von uns geprägt wurde. Daher haben wir nicht vor, die unserer Meinung nach rechtsmissbräuchliche Markenanmeldung und das darauf aufbauende, fragwürdige Vorgehen der Stadtverwaltung zu akzeptieren. Mehr können wir aktuell – leider – nicht öffentlich zum laufenden Rechtsstreit sagen.

Wir bedauern sehr, dass der einst durch beispielhafte Zusammenarbeit in Deutschland aufgebaute Ruf, den die Stadtverwaltung in der Digitalisierungsszene genoss, durch diesen von der Stadt selbst verursachten Streit seit Monaten massiven Schaden erleidet. Wir freuen uns auch über die Sympathiebekundungen, die wir von überraschend vielen Menschen aus der Verwaltungsszene in ganz Deutschland bekommen haben. Der Fall scheint umfangreich diskutiert zu werden – aber wie es im eGov-Podcast heißt: In der Fachcommunity werde das zwar intensiv beobachtet und sei auch allen präsent, wohingegen in Ulm selbst dieser immer größer werdende Knacks im Ulmer Verwaltungsleuchtturm kaum wahrgenommen zu werden scheint. Solange das so ist, geht die Strategie der Ulmer Stadtverwaltung wohl kurzfristig auf.

Ausblick und sonstige Bemerkungen

Wir wollen es an dieser Stelle explizit noch einmal sagen: Die Stadt hätte oft die Möglichkeit gehabt, diese gesamte Angelegenheit für alle Beteiligten stress- und konfliktfrei zu lösen. Wir waren dazu immer bereit. Das sagen wir mit gutem Gewissen, denn unser Anliegen war stets eine gütliche Einigung und ein respektvoller Umgang miteinander. Allerdings beruht eine Zusammenarbeit – eigentlich immer, aber im Besonderen mit dem Ehrenamt – auf gegenseitigem Respekt und einem Verständnis für die jeweilige Kultur. Das Fehlen eines Selbigen wird uns von der Stadt gerne vorgeworfen, während wir parallel dazu in der Presse und vor der Öffentlichkeit von der Stadtspitze als „unflätig“ (Paywall) oder „zwei handvoll Durchgeknallte“ dargestellt werden.

Es gab auch gar keinen für uns nachvollziehbaren Anlass, den Fortbestand der Ehrenamtscommunity im Weinhof zwingend an einen Nutzungsvertrag zu binden. Im Verlauf unserer jahrelangen ehrenamtlichen Betätigung dort gab es nie einen Anlass, der den massiven Vertrauensverlust der Stadt in uns zum Herbst 2021 begründen würde.

Derzeit möchten wir vor allem eines: Von der Stadtverwaltung und -spitze in Ruhe gelassen werden. Wir möchten an einem neuen Ort die Idee unseres Verschwörhauses fortsetzen können, ohne uns gegen juristische oder verwaltungstechnische Angriffe behaupten zu müssen. Der Weg dahin ist simpel: Die Stadt darf gerne am Weinhof 9 ein Stadtlabor betreiben, wenn sie das möchte. Sie braucht dafür unseren Namen nicht, und muss auch nicht versuchen, ihn uns durch eine heimliche Markenanmeldung abzunehmen. Wir machen parallel dazu unser Ding, wie schon von Beginn an gedacht, gerne auch in Zusammenarbeit mit der Stadt, um konstruktiv den Weg in eine nachhaltig digitalisierte Zukunft insbesondere in der Verwaltung zu begleiten. Dass die Stadt Räume als Hülle zur Unterstützung der Arbeit des Digitalen Ehrenamts geschaffen hat, war deutschlandweit vorbildhaft und hat zu jahrelanger, immens fruchtbarer Arbeit und positiver Außenwahrnehmung unserer Stadt geführt. Diese Arbeit wenigstens nicht weiter zu stören, sollte das Mindeste sein, was man uns zugestehen könnte.

Die städtische Nutzung des ursprünglichen Begriffes „Stadtlabor“ wäre unserer Ansicht nach also eine einfache, gangbare Lösung, die während der Verhandlungen teils schon in der Verwaltung Anklang fand und angenommen hätte werden können. Der notwendige „Kulturwandel in der Verwaltung“ ist schließlich seit Jahren ein Dauerbrenner auf allen Verwaltungsdigitalisierungsveranstaltungen. Aktuell böte sich eine hervorragende Gelegenheit, die dabei oft und viel beschworene Fehlerkultur auch in der Praxis zu zeigen.

Wir möchten nicht unseren Schmerz verbergen, den wir fühlen, wenn uns bewusst wird, dass wir mit unserer Idee des Verschwörhauses als Vorbildprojekt gefühlt drei Schritte weiter waren als ein ab jetzt städtisch geführtes Stadtlabor es anhand der letzten GD erahnen lässt. Wir haben uns stets gefreut, wenn Mitarbeitende aus der Stadtverwaltung in unsere Formate eingetaucht sind und darüber auch die überregionale Ehrenamtscommunity kennenlernen konnten. Uns hat es ebenso mit großer Freude erfüllt, wenn diese Mitarbeitenden bereits nach kurzer Zeit wichtige Zusammenhänge der Verwaltungsdigitalisierung in überdurchschnittlicher fachlicher Tiefe erkennen und in eigenen Beschlussvorlagen wiedergeben konnten. Dieser Aufbau wichtiger Kompetenzen in der Verwaltung selbst, durch den Austausch auf Augenhöhe mit dem Digitalen Ehrenamt unterstützt, ist das, was wir uns immer gewünscht haben. Stattdessen mussten wir feststellen, dass dieses Wissen auf strategischer Ebene gegen Wände lief – sehr zur Frustration dieser frisch befähigten Mitarbeitenden. Hierbei betrachten wir mit Sorge, dass gerade diejenigen Mitarbeiter:innen der Digitalen Agenda der Stadt Ulm, bei denen wir den beeindruckendsten Kompetenzzuwachs beobachten konnten, mittlerweile allesamt ihre Anstellung bei der Stadt beendet haben.

Auch beobachten wir seit einigen Monaten mit großem Stirnrunzeln eine Abkehr vom 2018 gemeinsam gefundenen Weg, der ausdrücklich nicht auf Leuchtturmprojekte und Fassadendigitalisierung setzen sollte, sondern – ganz im Sinne des „Nachhaltig“-Claims der Ulmer Smart-City-Bemühungen – auf eine dringend notwendige strategische Ertüchtigung der öffentlichen IT, auf der all die Digitalisierungsprojekte der öffentlichen Hand aufbauen.

Als immer noch engagierte und motivierte Ehrenamtliche, die am Ende des Tages die gleiche Mission verfolgen wie seit dem Beginn unserer Entstehungsgeschichte, wünschen wir uns nichts sehnlicher als eine Rückkehr zur gemeinsamen Arbeit an den wirklich wichtigen Zukunftsthemen – anstatt unsere Kräfte in einem Rechtsstreit entwertet sehen zu müssen.

Wir hoffen, dass diese ausführliche Darstellung interessant war und euch etwas mehr Hintergrundinformationen zu den letzten Monaten geben konnte. Wir sind jedenfalls nach wie vor hier, wir machen weiter, und wenn uns nicht morgen die nächste Welle Anforderungen zu überrollen droht, berichten wir so bald wie möglich wieder detaillierter von unserer Reise durch den deutschen Verwaltungsurwald.

Euer

Verschwörhaus

Verschwörhaus bei der Kulturnacht

Am Samstag, dem 17. September 2022 ist wieder Kulturnacht in Ulm und Neu-Ulm und wir sind wie gewohnt ebenfalls dabei! Da wir leider noch kein neues Zuhause gefunden haben, bauen wir ein kleines Verschwörhauszelt auf dem Petrusplatz auf. Wenn du von der Haltstelle Petrusplatz Richtung Petruskirche läufst, findest du uns direkt auf der rechten Seite der Überdachung.

Hier geben wir Einblicke in die CivicTech-Bewegung und du kannst mitgebrachte Textilien besiebdrucken. Wir freuen uns auf dich! 🙂

Antworten auf die kleine Anfrage zu LoRaWAN und TTN

Im August 2021 stellten Daniel Karrais und andere MdL aus der baden-württembergischen FDP/DVP-Fraktion eine kleine Anfrage zu den Fortschritten rund um das im Koalitionsvertrag als Ziel vereinbarte LoRaWAN-Netz an die Landesregierung. Sie fragten u.A. ab, welche Maßnahmen die Regierung bislang ergriffen habe, um LoRaWAN voranzutreiben, nach welchen Kriterien Projekte gefördert werden sollen, und welche Bedeutung die Landesregierung offenen Netzen beimesse. Schöner Weise ist das Engagement der Ehrenamtlichen derart bekannt, dass explizit auch abgefragt wurde, „ob externe Stakeholder, wie etwa das Verschwörhaus in Ulm, mit in den Prozess einbezogen werden, um so auf bestehendes Know-how zurückzugreifen“ :)

Also wurden wir – natürlich neben einiger anderer Communities im Land – tatsächlich einbezogen und bekamen vom Innenministerium den Fragenkatalog mit der Bitte um Input zugesandt. Die komplette Antwort der Landesregierung wurde im September 2021 als Drucksache 17/659 veröffentlicht (PDF, 303 kB).

Da wir aber einfach mal zu allen angefragten Punkten eine Antwort abgegeben hatten, haben wir im Nachgang mit unserem Kontakt beim Innenministerium vereinbart, unsere komplette Antwort bei uns zu veröffentlichen. Bis auf kleine redaktionelle Änderungen folgt hier also unsere Einschätzung zu den abgefragten Punkten, wie wir sie ans Innenministerium übersandt haben:

Antworten TTN Ulm auf Drs 17/659, Einsatz von LoRaWAN (Long Range Wide Area Network)

Hintergrund: Im Sommer 2016 beschlossen Mitglieder des Unternehmervereins initiative.ulm.digital, den Aufbau eines freien LoRaWAN-Netzwerks über The Things Network (TTN) in Ulm voranzutreiben. Gemeinsam mit Akteuren aus dem Digitalen Ehrenamt wurde eine lokale TTN-Community gegründet. Auf Betreiben und aus Mitteln des Unternehmervereins konnten binnen weniger Monate bis Ende 2016 fünf professionelle Gateways im Stadtgebiet in Betrieb gehen, die zum Netzwerk beitrugen. Es folgten vier weitere in 2017 und 2018. Durch die Initiative konnten qualitativ hochwertige Standorte für die Montage gefunden werden (z.B. das Ulmer Münster, wobei die Installation und Anbindung gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus dem Verschwörhaus abgestimmt und realisiert wurden).

Zeitgleich fanden Veranstaltungen rund um das Thema „Freie Sensornetzwerke“ im Verschwörhaus als Anlauf- und Austauschpunkt für die Digitale Zivilgesellschaft statt. Ein erster Austauschworkshop Anfang Dezember 2016 wurde von der initiative.ulm.digital finanziert, aus Reihen der Zivilgesellschaft finden seither nur durch die Covid-Einschränkungen unterbrochen zweiwöchentlich Austausch- und Entwicklungstreffen zum Thema statt.

  1. nach welchen Kriterien geeignete Projekte für eine Unterstützung ausgewählt werden;
  2. welche ihr bekannten Projekte dafür in Frage kommen (könnten);

Zu 3 und 4:

Die Wahl von The Things Network als Sensornetzwerk hatte zur Folge, dass in der Zwischenzeit verschiedenste Akteure weitere Gateways errichtet und somit zur Erweiterung der Abdeckung im Stadtraum beigetragen haben. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Akteure gleichermaßen wie Firmen oder das Studierendenwerk Ulm als Anstalt öffentlichen Rechts.
Gleichzeitig ist es möglich, dass Unternehmen auf den von ihnen betriebenen Gateways neben The Things Network auch ihr eigenes LoRaWAN-Netz empfangen, für das sie ihren Kunden auch Dienstgüteversprechungen machen können. Keiner der beteiligten Gatewaybetreiber nimmt somit anderen Akteuren etwas weg – im Gegenteil wird so das für die gesamte Bürgerschaft offene The Things Network stärker, während es Unternehmen unbenommen bleibt, parallel auf denselben Gateways kommerzielle Netze auszurollen.

Wir empfehlen daher, dass gemäß der Maxime „Öffentliche Gelder – öffentliche Güter“, die Förderung des Aufbaus und/oder Betriebs von LoRaWAN-Gateways für einen mehrere Jahre umfassenden Zeitraum an die Einbindung in ein für die gesamte Bevölkerung kostenfrei nutzbares LoRaWAN-Netzwerk gebunden ist. Dies könnte zum derzeitigen Zeitpunkt The Things Network sein: Entweder durch den nativen Empfang von TTN auf den Gateways, oder durch ein Roaming-Agreement.

Perspektivisch wäre es auch interessant, die notwendige Freie/Open-Source-Softwarebasis für den Betrieb des LoRaWAN-Stacks als Aufgabe der Daseinsvorsorge mit öffentlichen Mitteln weiterzuentwickeln und zu unterhalten. Dies würde bedeuten, dass auch wenn künftig The Things Network – aus welchen Gründen auch immer – kein der Allgemeinheit öffentliches Netzwerk mehr zur Verfügung stellen sollte, eine Alternative geboten werden würde.

  1. wie die geplante Unterstützung ausgestaltet ist bzw. sein könnte

Zu 5: Wir könnten uns vorstellen, dass hierfür FördernehmerInnen öffentliche Gelder für die Errichtung von Gateways erhalten, sofern sie wie oben beschrieben ein öffentlich nutzbares Netz wie TTN auf dieser Infrastruktur betreiben. Als FördernehmerInnen kommen sowohl Unternehmen in Betracht, die parallel zu TTN auch eigene Netze mit Dienstgütevereinbarungen betreiben, wie auch Kommunen oder gemeinnützige Organisationen aus der Zivilgesellschaft. Sinnvoll wäre hier auch, Förderkonsortien gemeinsam mit der öffentlichen Hand zuzulassen, um Gateways auf öffentlichen Gebäuden zu errichten. Anteilig könnten so die notwendigen Erschließungsmaßnahmen (Elektrik, Blitzschutz, Netzwerk) abgerechnet werden. Wir würden es begrüßen, wenn solche Standorte auch per Vereinbarung für den Betrieb weiterer offener Infrastrukturen wie z.B. als Relaispunkt für Freifunk-Netzwerke geöffnet werden müssten.

Weiter ist denkbar, die Technologie ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, indem sich FördernehmerInnen für die Volksbildung i.S.d. Abgabenordnung engagieren und Wissen und Kenntnis in die breite Bevölkerung tragen, beispielsweise durch Workshops und Bildungsveranstaltungen. Perspektivisch ist hier nicht nur die Netz-Infrastruktur von Bedeutung, sondern auch die Zugänglichkeit von Internetdiensten, auf denen auch nichtkommerzielle Akteure die erhobenen Daten entgegennehmen, verarbeiten und ggf. veröffentlichen können. Dies könnte durch eine finanziell niederschwellige Zugänglichmachung geeigneter Werkzeuge wie beispielsweise eines individuellen TICK-Stacks auch für technisch nicht versierte NutzerInnen realisiert werden. Dieser Ansatz ist in Abgrenzung zu monolithischen Datenportalen oder des „Datenraum“-Konzepts zu verstehen, in dem es vor allem um die künstliche Konstruktion von Faktendaten als zwischen Unternehmen handel- und tauschbare Ware geht.

  1. ob externe Stakeholder, wie etwa das Verschwörhaus in Ulm, mit in den Prozess einbezogen werden, um so auf bestehendes Knowhow zurückzugreifen

Zu 6: Wir empfehlen den Einbezug der diversen lokalen und überregionalen Gruppen wie TTN Communities (https://www.thethingsnetwork.org/country/germany/), die neben Ulm unter Anderem auch in Stuttgart, Rhein-Main und Freiburg stark sind, sowie Freifunk-Initiativen und Code-for-Germany-Labs in den jeweiligen Regionen. Das digitale Ehrenamt kann in diesen Themen neutrale und objektive Beratung sowie ein fundiertes Fachwissen vorweisen.

Hier ist die niederschwellige Zugänglichkeit zu Austauschformaten für die vor allem ehrenamtlich Aktiven zu sichern. Für den Bereich offener Mobilitätsdaten existiert beispielsweise ein zweiwöchentliches Online-Format in den Abendstunden, an dem regelmäßig auch ein Austausch mit Stellen des Landes stattfindet.

  1. welche Bedeutung sie offenen Netzen und einer freien Nutzbarkeit von LoRaWAN beimisst;

Zu 7: Wie bereits beschrieben sind offene Netze wie TTN mehr als die Summe ihrer Teile und können durch ihren offenen Charakter perspektivisch nach einer öffentlichen Förderung eines Grundnetzes durch beliebige weitere Akteure wesentlich ergänzt werden. Die Offenheit solcher Netze ermöglicht die Entwicklung von Anwendungsfällen nicht nur Firmen, sondern erlaubt auch einer technisch interessierten Öffentlichkeit die Teilhabe an Forschung und Entwicklung auf Basis von Sensornetzwerken. Unserer Ansicht nach sollte es nach der Maßgabe „Öffentliche Gelder, öffentliche Güter“ wesentliche Förderbedingung sein, dass hierdurch geförderte Infrastruktur mindestens offene Netze wie TTN bedient.

  1. wie sie sicherstellt, dass die von ihr unterstützte Ausbreitung von LoRaWAN die bereits bestehenden Netze berücksichtigt und daran anknüpft, und so die Entstehung von Parallelentwicklungen und -systemen verhindert;

Siehe zu 7. Zudem ist in der aktuellen LoRaWAN-Architektur Roaming zwischen Netzen bereits auf Spezifikationsebene vorgesehen. Bestehende Freie Netze können somit per obligatorischer Roamingvereinbarung eingebunden werden. Der bestehende und aktive Roamingdienst Packet Broker steht beispielsweise hierfür allen Beteiligten zur Verfügung.

  1. wie weit der von der Netze BW GmbH angekündigte flächendeckende Ausbau des LoRaWAN, der bis Ende 2022 fertiggestellt sein soll, derzeit vorangeschritten ist;

Zu 9: Sie haben nicht um Unterstützung bei dieser Frage gebeten, aber nach uns vorliegenen (mündlichen) Informationen sind aktuell in BaWue 200 Gateways verbaut. Angekündigt waren 600 Gateways im Jahre 2020, Ende 2022 will man 3.000 Gateways verbaut haben.

  1. wie sie die Ausgestaltung des LoRaWAN der Netze BW hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten von Dritten bewertet.

Zu 10: Nach den uns aktuell vorliegenden Informationen, entstanden aus Gesprächen mit Netze BW und/oder daran Beteiligten und Kunden, sehen wir darin keine Alternative zu den oben genannten Punkten und Ansätzen. Das von der Netze BW aufgebaute LoRaWAN Netz ist ein geschlossenes, kommerzielles Netz das keine freie sowie kostenfreie Verwendung ermöglich. Die uns bisher bekannten (ohne Gewähr) finanziellen Aufwände sind für ehrenamtliche oder gemeinnützige Organisationen zum Aufbau eines Gesamtnetzes im Alleingang nicht stemmbar.

Wenn ein LoRaWAN Netz gemeinschaftlich, dezentral, und wie oben beschrieben gemeinsam von Akteuren aus der Zivilgesellschaft, Firmen, Kommunen, oder von gemeinnützigen Organisationen aufgebaut wird, ist der gesamte Aufbau nicht von einer zentralen Stelle abhängig. Beliebige Akteure können das Netz erweitern, wegbrechende Akteure können durch neue ersetzt werden. Diesen Ansatz sehen wir bei einem monolithisch betriebenen Netz einer einzelnen Stelle wie Netze BW nicht.

Die von Netze BW eingesetzte LoRaWAN Netzsoftware von ZENNER setzt auf geschlossene und proprietäre Grundsätze und wiederspricht damit den oben genannten Vorteilen einer dezentralen und für die Anwender offenen und freien Lösung, beispielsweise der von TTN.

Das Verschwörhaus ist ausgezogen, die Räume am Weinhof sind nun leer

Nachdem die Ulmer Stadtspitze sich endgültig entschieden hatte uns aus den bisherigen Räumen heraushaben zu wollen, haben wir in den letzten Wochen unsere Sachen gepackt. Wie von der Stadtverwaltung gewünscht verlässt das Verschwörhaus demnach zum heutigen Mittwoch die Räume am Ulmer Weinhof. Die ehemaligen Sparkassenbüros sind damit wieder zu einer leeren Hülle geworden. Wie das Haus sich über die Jahre entwickelte, und wie es jeweils vor und nach dem Auszug aussah, kann man in unseren virtuellen Touren durch das ehemalige Verschwörhaus wunderbar selbst erkunden.

Das Lötlabor nach dem Auszug

In den letzten Wochen haben wir mit einigem Aufwand unsere Infrastruktur zum Betrieb der Räume, sowie unser sonstiges Material und Mobiliar verpackt und erst einmal eingelagert. In grob geschätzt 300 bis 400 Arbeitsstunden haben wir Ehrenamtlichen unzählige Kisten gepackt, auf insgesamt 26 Paletten verladen und abtransportiert.

Der Salon wird gepackt

Die Aufforderung zum Auszug bedeutet aber nicht das Ende für das Verschwörhaus und unsere Angebote. Wir haben weiterhin Power und freuen uns auf einen Neuanfang! Dafür suchen wir nach neuen Räumlichkeiten in Ulm oder Neu-Ulm. Es gibt bereits Austausch mit verschiedenen Förderern, die Bereitschaft zur langfristigen Finanzierung signalisiert haben, aber wir müssen vorher noch zu uns passende Räume finden. Wir suchen einerseits eine kurzfristig verfügbare Unterkunft mit einer Fläche ab ca. 60 m² als Zwischenlösung für ein paar Monate. Was diese Interimsunterkunft angeht, sind wir recht spontan und flexibel. Gleichzeitig wollen wir wieder eine richtig gut passende und langfristig nutzbare Bleibe ab ca. 200 m² finden, in der wir auch wieder einen größeren Raum für Vorträge und andere Veranstaltungen haben, sowie eine Holzwerkstatt aufbauen können. Wenn uns jemand solche Räume anbieten oder Hinweise geben kann, gibt es hier mehr Informationen zur Raumsuche.

Die ersten Paletten

Von uns aus hätte das Verschwörhaus natürlich in den bisherigen Räumen am Weinhof bleiben und weiterentwickelt werden können. Sehr gerne hätten wir die Infrastruktur und unsere Programme in den Räumen weiter betrieben und wie in den letzten sechs Jahren allen interessierten Ulmer:innen und allen anderen Gästen zur Verfügung gestellt – egal ob für neue eigene Projekte oder einfach nur zum Reinschnuppern in viele spannende Ecken der digitalen Welt. Nach den monatelangen Verhandlungen war die Ulmer Stadtspitze und die Vertreter:innen der Digitalen Agenda jedoch offensichtlich nicht in der Lage sich weiter auf das “Digitale Ehrenamt” einzulassen und unsere Kultur sowie die grundlegenden Antriebe für ehrenamtliches Engagement zu verstehen. Es war am Ende nicht möglich sich auf einen für beide Seiten gangbaren Modus für die weitere Zusammenarbeit zu einigen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass Orte wie das Verschwörhaus als Begegnungsorte für die so dringenden digitalen Themen eine wichtige Infrastruktur für jede Stadt sind – insbesondere wenn sie neben einfachen Treffpunkten auch Werkstätten und echtes Know-How bieten. Dementsprechend hoffen wir, dass der Stadtverwaltung Ulm eine Aufarbeitung der Auseinandersetzung der letzten Monate gelingt. Wir nehmen gerne daran teil und stehen für einen Austausch zur Verfügung. Durch unsere Auszug ist am Weinhof die Bühne für die städtische Vision eines Stadtlabors wieder bereitet. Wir wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung!

Noch einmal vor dem alten VSH sitzen

Für das Verschwörhaus geht es nun jedoch in neuen Räumen ohne die direkte Zusammenarbeit mit der Ulmer Stadtverwaltung weiter. Wir freuen uns auf den Start in die neue Ära und blicken voller Tatendrang auf die nächsten Tage und Wochen :)

Bilder: CC-BY 4.0 Jakob Pietron, und Mitglieder:innen der Verschwörhaus-Community

Information zum Schlössertausch am 14. Juni

Wir haben heute Morgen erfahren, dass die Stadtverwaltung erneut die Schlösser der Räumlichkeiten am Weinhof getauscht hat. Dieses Mal sind nicht angebliche Brandschutzprobleme der Anlass (und die im November gefundenen Mängel sind unseres Wissens bis heute auch nicht behoben). Dennoch wurde die Schließanlage, die offenbar schon vor einiger Zeit bestellt worden sein muss, buchstäblich über Nacht und ohne Ankündigung ausgetauscht. Die Ehrenamtlichen, die in den vergangenen Jahren das Programm und damit den Namen aufgebaut und gestaltet haben, haben derzeit somit keinen selbstbestimmten und mit den Uhrzeiten ehrenamtlichen Engagements kompatiblen Zugang zu den Räumen und der dort untergebrachten, vielfach uns oder dritten Förderern gehördenden Einrichtung. Die von uns geplante Aufrechterhaltung des öffentlichen Programms bis zu unserem Auszug und der damit verbundene Betrieb eines – wie von der Stadtverwaltung gewünschten – offenen Hauses scheint dadurch fraglich.

Die E-Mail der Leitung des Stadtlabors begründet dies folgendermaßen:

Als Leiter des Verschwörhauses bin ich verantwortlich für die Räumlichkeiten und das Inventar der Stadt Ulm im Weinhof 7-9 EG und UG. Daher muss ich als Leiter vernünftiges Risikomanagement betreiben und dieser Verantwortung gerecht werden. […] Diese beinhaltet unter anderem den geregelten Zugang der Räumlichkeiten durch Vereinsmitglieder und Community in dieser für alle Beteiligten angespannten Situation. Aktuell kenne ich nicht die einzelnen Sichtweisen von jedem Communitymitglied, welcher mit einem eigenen Schlüssel Zutritt zu den Räumlichkeiten hat. Daher kann ich auch nicht das Risiko einschätzen, das z.B. von einem auf den anderen Tag die Räumlichkeiten komplett leer stehen oder ähnliches. Da ich nicht einen Monat 24 Stunden im Weinhof campieren möchte, musste ich leider heute die Schlösser austauschen. Dennoch werde ich euch weiterhin natürlich den Zugang zu den Räumlichkeiten gewähren und passe mich dort einen Monat gerne euren Zeiten ein wenig an. Es geht in diesem Punkt nicht um eine weitere Eskalationsstufe, sondern um meine Verantwortung welche ich wahrnehmen muss. Gerne bespreche ich mit euch in einem persönlichen Gespräch, wie ich euch den Zugang zu den Räumlichkeiten bestmöglich gewähren kann. In diesem Gespräch könnt ihr gerne eure Risikoeinschätzungen und Interessen mit mir austauschen. Ich bin mir sicher, dass wir eine gute gemeinsame Lösung finden werden.

Nachdem die zunächst zugesagte Frist für unseren Auszug von der Stadtverwaltung bereits ohne ersichtlichen Grund halbiert wurde, sind wir nun auch über diese unangekündigte Massnahme überrascht.

Auf abstrakter Ebene und wenn wir uns in eine reine Verwaltungsdenkweise zu versetzen versuchen, können wir die Risikoeinschätzung zumindest teilweise verstehen. Wir sehen hier aber auch einen umfassenden Vertrauensentzug zu der Gruppe der Aktiven, die in den vergangenen Jahren maßgeblich den überregionalen guten Namen des Hauses aufgebaut und das laufende Angebot in ihrer Freizeit gestaltet hat. Die Stadt versichert gleichzeitig in der Öffentlichkeit, dass all ihre Einrichtung inventarisiert und gekennzeichnet sei, und sie keinen „Rosenkrieg“ wolle (Tagesspiegel Background vom 14. Juni 2022, leider Paywall). Gleichzeitig scheint das Misstrauen so groß zu sein, dass wir nur noch unter Aufsicht die Räume nutzen und den Auszug nach unserem Rauswurf vorbereiten sollen. Die mildeste denkbare Maßnahme der Stadt zur Sicherung ihres Inventars ist, uns den Zugriff auf das unsere zu verwehren.

Uns stellen sich hier mehrere Fragen. Zum Einen ist diese unangekündigte Machtausübung ein weiteres Indiz dafür, dass das noch im Oktober 2020 vom Gemeinderat beschlossene Ziel der Stärkung einer selbstbestimmten Selbstverwaltung der ehrenamtlich Aktiven (PDF, Seiten 9 und 12) nie ernsthaftes Ziel der Verwaltung gewesen ist. Schon in den Verhandlungen seit November missachtete die Stadtverwaltung diese vom Gemeinderat demokratisch beschlossene Zielsetzung durchgehend und konsequent.

Mit dem Schlosstausch sind für uns aber auch ganz praktische Fragen verbunden, die wir der Stadtverwaltung bereits gestellt haben:

  • wir stehen zu unserem Wort, unser Angebot an die Öffentlichkeit (beispielsweise Maker Mondays, das Jugend hackt Lab, den LoRa-Abend am Mittwoch, und F.U.C.K. am Freitag) bis zum zum Auszug aufrechtzuerhalten. Da es sich um abendliche Angebote handelt, die nicht selten bis spät in den Abend und die Nacht hinein gehen, stellt sich uns die Frage: Wer schließt mehrmals pro Woche nach Veranstaltungsende die Türen ab und beaufsichtigt uns gegebenenfalls bis kurz vor Mitternacht oder gar darüber hinaus? Oder wird es in Zukunft einen harten Cut zu einer gewissen Uhrzeit geben – so dass das Haus demnach überhaupt nicht mehr „offener für alle“ sein wird? Wir hatten darauf gehofft, unser Programm bis zum Auszug im friedlichen Nebeneinander fortführen zu können, ohne Gängelung und Schikane unterworfen zu sein.
  • der laufende Lastenrad-Verleih – der uns von der Verwaltung zur Auflage gemacht wurde – ist derzeit vom ungehinderten Zugang zu den Räumen am Weinhof abhängig. Wie soll dies auch am Wochenende künftig funktionieren?
  • Unklar ist auch, wie sich die Verwaltung die Vorbereitung unseres von ihr gewünschten Auszugs vorstellt. Zunächst hatte sie uns hier eine Frist bis Anfang August gesetzt, gestern hat sie erneut bereits getroffene Zusagen zurückgezogen und die angesetzte Frist halbiert. Wir werden hier auf unsere Freizeit in den Abendstunden und am Wochenende angewiesen sein und sind sehr gespannt, welche konstruktiven Lösungen sich die Stadt nun vorstellt.

Eine große Frage des Experiments am Weinhof war, ob eine Stadt sich auf den Umgang mit dem digitalen Ehrenamt einlassen kann. Aus unserer Sicht hätte dazu gehört, dass die Verwaltung die Bedürfnisse und Anforderungen versteht, in denen Ehrenamt überhaupt wachsen und gedeihen kann. Wir haben der Stadt immer gerne Input und Material geliefert, mit dem sie im Wettbewerb mit anderen Städten um die Vorreiterrolle in der Digitalisierung glänzen konnte. Es scheint sich nun leider zu zeigen, dass wir uns dafür immer nur an die Spielregeln einer klassischen Verwaltung hätten anpassen sollen, während die Stadt wenig bereit war, sich auf die Welt des Ehrenamts einzulassen.

Weitere Informationen werden wir hier baldestmöglich ergänzen.

Das Verschwörhaus zieht um und braucht deine Hilfe!

tl;dr: Die Stadt Ulm will den Ehrenamtlichen ihren Namen wegnehmen und wirft uns aus den Räumlichkeiten am Weinhof. Jetzt benötigen wir deine Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Ort für das Verschwörhaus.

Die ganze Geschichte:

Wir müssen als Verschwörhaus e.V. mit unseren Ehrenamtlichen und Freunden, offenen Terminen und Angeboten leider aus den Räumen am Weinhof ausziehen. Aus der Presse haben wir als Ehrenamtliche vor etwa einem Dreivierteljahr erfahren, dass die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Czisch eine “Neuausrichtung des Verschwörhauses” plant.

Seitdem haben wir viele anstrengende, nervenaufreibende und traurigerweise auch persönlich auslaugende Verhandlungen mit der Stadtverwaltung geführt – leider nicht auf Augenhöhe. Alle unsere Anstrengungen sind nun gescheitert. Die Stadtverwaltung ließ keinerlei Verständnis für ehrenamtliches Engagement erkennen und hat zuletzt sogar hinter unserem Rücken “Verschwörhaus” als Marke angemeldet - dagegen haben wir Widerspruch eingereicht.

Jetzt wirft uns die Stadtverwaltung auch aus den Räumlichkeiten am Weinhof. Denn wir haben auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, den vorgegebenen “Nutzungsvertrag” der Stadt nicht zu unterschreiben. Darin wollte die Stadt erzwingen, dass wir den Namen und unsere öffentlichen Kanäle (Webseite, Mailadresse, etc.) abgeben und kaum inhaltliche Gestaltungsmöglichkeiten haben, was unter dem Label “Verschwörhaus” künftig passiert. Dem können wir so nicht zustimmen.

Wir sollen nun bis spätestens zum 13.07. aus den Räumlichkeiten am Weinhof ausziehen und die Schlüssel abgeben.

Danke an alle, die uns in der letzten Zeit unterstützt haben – beispielsweise durch den offenen Brief auf verschwoerhaus-bleibt.de. Wir haben uns sehr darüber gefreut, die Stadtverwaltung blieb leider trotzdem bei ihrer Entscheidung: Sie will den Namen, oder wir müssen gehen. Wir haben einstimmig beschlossen, den Namen nicht aufzugeben.

Es geht uns neben dem Streit um den Namen auch um den zunehmenden Druck, der bereits seit längerer Zeit auf uns lastet, weil die Stadtverwaltung offensichtlich Ehrenamt nicht versteht. Wir sind keine städtischen Mitarbeitenden, die Arbeitsanweisungen ausführen und verpflichtende Termine zu beliebigen Zeiten vormittags an einem normalen Arbeitstag wahrnehmen können. Wir machen das in unserer Freizeit. Mit viel Liebe, Engagement und Flexibilität, aber neben Schule, Ausbildung, Studium oder unserer eigentlichen Lohnarbeit.

Durch städtische Prozesse entsteht organisatorischer Mehraufwand. Das ist absolut verständlich, wir können diesen aber nicht vollständig durch ehrenamtliche Arbeit abfedern. Das war ursprünglich der Job des Leiters des Stadtlabors. Mit der geplanten Neuausrichtung hat sich das verändert: Jetzt wurden immer mehr Forderungen an uns gestellt, ohne unsere Kapazitäten zu berücksichtigen. Auch wurden inhaltlich nicht haltbare Vorwürfe formuliert, ohne überhaupt hinzusehen. Für mehr offenes Angebot hat dieses Verhalten definitiv nicht gesorgt – eher zu viel Frustration und Demotivation unserer Ehrenamtlichen.

Für uns endet jetzt endlich eine schwere und debattenreiche Zeit. Wir freuen uns umso mehr auf einen Neuanfang: Wir suchen neue Räumlichkeiten für das Verschwörhaus, die wir wieder bunt und wohnlich gestalten können. Denn wir wollen das weiterführen, was wir vor mehr als sechs Jahren angefangen haben: Ein offener Ort sein, an dem die ehrenamtliche Verschwörhaus-Community ein offenes Programm für die Ulmer Stadtgesellschaft und alle anderen Interessierten gestalten kann.

Um das zu verwirklichen, suchen wir bereits nach einem neuen Ort für das Verschwörhaus und sind über Tipps und Hinweise zu Räumlichkeiten dankbar, die z.B. nicht auf den üblichen Immmobilienportalen gelistet sind. Manchmal finden sich durch persönliche Kontakte ja wirklich spannende Möglichkeiten!

Wir achten vorallem darauf, dass möglichst wenig des Charmes der bisherigen Räume am Weinhof am zukünftigen Ort verloren geht und suchen daher besonders nach barrierefreien Räumlichkeiten mit einladender Fensterfront (o.ä.) an nicht ganz abgeschiedenen Orten - sodass auch weiterhin spontan neugierig vorbeiziehende Menschen an offenen Abenden ins Verschwörhaus stolpern. Wir freuen uns neben den klassischen Unterstützungsformen auch über Tipps und Hinweise an kontakt22@verschwoerhaus.de oder über dieses Formular.

Der Vollständigkeit halber möchten wir an dieser Stelle auch auf die entsprechende Pressemitteilung der Stadt Ulm verweisen.

Foto: Wiki-Stützpunkt Ulm 2016-07-06 - Brainstorming von Tobias "ToMar" Maier unter CC BY-SA 3.0

Ein freier Lastenradverleih für Ulm – mach mit!

In vielen Städten sind in den letzten Jahren Verleihsysteme für Freie Lastenräder entstanden. Egal ob in Stuttgart, Freiburg, Berlin oder Hannover – die Systeme orientieren sich meistens an denselben Grundsätzen und nutzen dieselbe Verleihsoftware, nämlich Commons Booking. Das ist ein stationsbasiertes System, das viel auf Gemeinschaft aufbaut und damit ein kostenloses Verleihsystem für alle realisiert. Die Nutzung ist grundsätzlich kostenlos, Verbrauchsmaterial oder Reparaturen werden über freiwillige Spenden gedeckt.

Das Grundprinzip ist dort: Es gibt einen Pool möglicher Leihstationen – das können Cafès sein, aber auch kleine Läden, WGs, Quartierszentralen, Schulen oder Kindergärten. An manchen Stationen steht ein Fahrrad beinahe dauerhaft (bis auf Urlaube o.ä.), andere Räder „wandern“ zwischen verschiedenen Stationen. So werden die Räder auf die verschiedenen Stadtquartiere verteilt, und jede freiwillige Station hat einen überschaubaren Aufwand, die Räder auszugeben.

Als Station bekommt man, wenn das Lastenrad zu einem kommt, eine Materialbox, in dem alles drin ist: Verleihzettel, ein Mini-Handbuch, die Schlüssel, eine Spendendose. Eine Ausleihe nimmt in der Regel knapp 5 Minuten in Anspruch, es gibt normalerweise maximal eine Ausleihe am Tag, d.h. in der Woche maximal so viele Ausleihen, wie man Öffnungstage hat. Das hat sich an den anderen Orten als gut funktionierend bewährt.

Bei uns steht auch schon eine ganze Weile ein selbstgebautes Lastenrad, das im Rahmen eines von der UNW/Solarstiftung geförderten Workshops in der Schweißwerkstatt des WBZU aufgebaut wurde. Wir haben es auch immer wieder verliehen, nur hat es durch den Eigenbau einige Eigenheiten, die die Fahrt damit gar nicht so anfänger*innenfreundlich machen.

Über die Jahre kamen in der Fahrradgarage noch drei weitere Lastenräder hinzu, welche die Stadt aufgrund von Förderprogrammen beschafft hat. Die haben wir bisher mit Einverständnis der Stadt meist auf Zuruf verliehen. Für regelmäßige Nutzer*innen haben wir auf den ehrenamtlich betriebenen Servern auch Commons Booking als Verleihsystem ausgerollt.

Gerne hätten wir das System öffentlich betrieben und mit weiteren, wechselnden Stationen gearbeitet, denn zu unserem Bedauern wurden die Räder in diesem Setting gar nicht so intensiv genutzt. Hier war aber lange Zeit vollkommen unklar, wie Haftung und Versicherung aussehen, wenn die Räder eigentlich der Stadt gehören, wir aber ehrenamtlich ein Verleihsystem betreiben. Die Stadt selbst hatte derweil nicht die Kapazitäten, ein Verleihsystem und den Betrieb von Commons Booking selbst durchzuführen.

Das hat sich nun gelöst, indem die Stadt uns die städtisch beschafften Räder überlassen hat – aber nur unter der Auflage, dass wir dieses Verleihsystem nun selber schaffen und betreiben. Das tun wir gerne, und mit den so geklärten Eigentumsverhältnissen lässt sich das tatsächlich auch umsetzen. Und dafür brauchen wir nun Dich! :)

Richtig gelesen: Wir suchen Partner*innen, um über den jetzigen Zustand hinauszuwachsen, in dem wir die Räder aus der Fahrradgarage am Weinhof verliehen haben. Damit verteilen wir den Aufwand auf viele Schultern, so dass das für niemanden eine Last wird. Unser Commons Booking läuft bereits seit längerem, und wir haben es in den letzten Wochen für einen öffentlichen Verleihbetrieb vorbereitet. Wir haben in den vergangenen Wochen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt und uns beraten lassen. Nun fehlt für den Start nur ein Grundstock weiterer Stationen, die bereit sind, in den nächsten Monaten ein Lastenrad zu beherbergen und ausleihbar zu machen.

Wie das in der Praxis aussieht, haben wir hier aufgeschrieben. Falls Du Interesse hast, melde dich mit einer kurzen E-Mail an kontakt22 (at) verschwoerhaus.de, wir freuen uns sehr über Deine Nachricht!

Wir sind sehr gespannt, wie schnell wir ein freies Lastenradsystem in Ulm aufgebaut bekommen, und damit unseren Teil zur Verkehrswende beitragen können!

FCLR 2022 im Verschwörhaus: All too familiar? How are German volunteers perceived in the Global South in the context of colonial memories?

Das FCLR (Festival contre le racisme) kommt ins Verschwoerhaus mit einer (englischsprachigen) Veranstaltung zur kritischen Beleuchtung von Freiwilligendienste. Bei der Veranstaltung werden junge Menschen aus Südafrika zugeschaltet.

-—

German volunteers travelling to the Global South often come back with many stories and share their perception with their family, friends and the public in Germany. But they do not only talk about people in the Global South - they are also talked about as a familiar and peculiar encounter in many countries.

This presentation will unpack of volunteers are perceived by the recipient organisations and share voices from the Global South about the voluntary service. It will try to analyse the volunteer service from a postcolonial perspective.

The event will also take place online via zoom. The link to the zoom meeting will be published here soon!

In cooperation with Bridging Gaps e.V.

📅 30.06.
⌚ 19.00 Uhr
📌 online & Verschwörhaus, Weinhof 9 Ulm
💬 englisch

https://www.fclr-ulm.de/2021/unsichtbar/programm/was-ihr-nicht-seht-2-1-7